Ein guter Tropfen zum Trost?

Alkohol & Depression – beeinflusst sich das wechselseitig?
Prim. Prof. Dr. Michael Musalek
Ärztlicher Leiter des Anton-Proksch-Instituts in Wien-Kalksburg

Ja, unbedingt! Jeder hat auf Festen schon die Erfahrung gemacht: Nach den ersten Drinks lockert sich die Zunge, es wird gelacht und geflirtet. Zu später Stunde werden dann Trübsal geblasen oder Probleme gewälzt. Das ist typisch für die Wirkung von Alkohol: In geringen Mengen wirkt er euphorisierend und angstlösend, in größeren Mengen macht Alkohol depressiv. Um diese angstlösende Wirkung zu erreichen, greifen auch Patienten mit Depression zu Alkohol. Allerdings ist das der Beginn des Teufelskreises: Denn wenn zu viel getrunken wird, kommt es zu einer Verstärkung der Depression.

Patienten, die Alkoholprobleme haben und an einer Depression erkrankt sind, müssen daher immer beide Erkrankungen behandeln lassen, um diesem Teufelskreis zu entkommen. Mit ärztlicher Hilfe und den uns heute zur Verfügung stehenden modernen Therapieansätzen lassen sich beide Erkrankungen sehr gut behandeln.

Wie wirkt sich eine Therapie auf Angehörige und Umfeld aus?
Mag. Maria Kotrc-Erlinger
Psychotherapeutin in Wien

So vielfältig wie die bei Alkoholkrankheit und Depression beteiligten Faktoren sind auch die jeweiligen Wechselwirkungen. Denn wenn Alkohol und Depression zum Thema werden, prägen sie das Familienleben, die Kommunikation innerhalb der Familie sowie die Paarbeziehung. Eine Therapie bringt daher Ansatzpunkte für Veränderungen: Angehörige müssen wissen, dass sich auch ihr Leben verändern wird, wenn der Partner, die Partnerin in Behandlung geht und das Problem in den Griff bekommt. Wo bisher vorherrschend über diese Probleme geredet, gestritten und auch geschwiegen wurde, wird nun Platz für andere Themen und Konflikte. Wichtig ist, dass Partner wie Umfeld darauf vorbereitet sind, dass die Veränderung des einen auch das Leben der anderen beeinflussen wird – und umgekehrt. Für beide ist das auch eine Chance, gemeinsam neue Interessen, neue Ziele zu finden und die Zeit aktiv und „gesund“ zu gestalten.

Kann Alkohol die Wirksamkeit von Medikamenten beeinflussen?
Mag. Martina Anditsch
Klinische Pharmazeutin im SMZ-Ost Donauspital Wien

Ja, vor allem beruhigende Antidepressiva können zu einer Verstärkung der Alkoholwirkung führen. Das bedeutet, dass es schon nach geringeren Mengen als üblich zu Trunkenheit bis hin zur Bewusstlosigkeit kommt. Auch koff einhaltige Getränke, die am nächsten Morgen gegen den „Kater“ konsumiert werden, erhöhen die Angst und Unruhe, was wiederum bei ängstlichdepressiven Patienten zu beachten ist.

Die Einnahme gängiger Kopfwehtabletten gegen den „Kater“ ist auch nicht ideal, da manche Substanzen die Aufnahme von Alkohol fördern und so wieder die Symptome der Depression verstärken können. Wenn die Leber durch den regelmäßigen Konsum von Alkohol schon geschädigt ist, kann der Abbau von Anti depressiva, der bei vielen Medikamenten auch in der Leber stattfindet, verringert sein und es können daher mehr Neben wirkungen auftreten.

Vorheriger ArtikelRund ist nicht g ’sund
Nächster ArtikelWunderwege zur Traumfigur?

Interessantes

- Advertisement -Jentschura

Empfehlungen