Ein Baby – viele Meinungen

Eva ist vor ihrem 30. Geburtstag schon zweimal Mutter geworden. Jetzt wünschen sie und ihr Mann sich einen Nachzügler. Eva ist inzwischen 43 und macht sich viele Gedanken darüber, wie das sein wird, wenn dieses Kind so alt ist wie die beiden Großen. Ihr Mann wird dann vor der Pension stehen, sie selbst auf jeden Fall im „Großmutteralter“ sein. Letztendlich beschließen die beiden, die Natur entscheiden zu lassen. Sollte noch ein Baby kommen, freuen sie sich – wenn nicht, ist ihre Familie gut, so wie sie ist.

Statistisch ist eine Frau ungefähr mit 19 bis 25 Jahren im fruchtbarsten Alter. Ab 30 nimmt die Fruchtbarkeit ab. Mit Mitte 30 liegt die Chance, schwanger zu werden, pro Zyklus nur mehr bei 10 Prozent – gegenüber 30 Prozent in den „besten“ Jahren. Das liegt daran, dass Zyklen ohne Eisprung häufiger werden und dass sich selbst befruchtete Eizellen seltener in der Gebärmutter einnisten. Anzahl und Qualität der Eizellen nehmen ab. Fehlgeburten, meist in einem frühen Stadium der Schwangerschaft, kommen öfter vor.

Natürlich gibt es starke individuelle Unterschiede. Die tatsächliche Fruchtbarkeit einer Frau hängt nicht nur von ihrem Alter, sondern von wesentlich mehr Faktoren ab. In Industrieländern ist die Zeitspanne, in der es möglich ist, auf natürlichem Weg schwanger zu werden, größer als je zuvor. Mit der Menopause hat die Natur jeder Frau eine individuelle Grenze – meist mit 45 bis 55 Jahren – gesetzt.

Dass es sich um die Menopause handelt, davon ist Brigitte überzeugt, als bei ihr mit 44 die Menstruation ausbleibt. Die Hoffnung auf ein Kind hat sie nach mehreren Fehlgeburten schon länger aufgegeben. Als die Ärztin ihr zur Schwangerschaft gratuliert, denkt sie zuerst, „so was passiert doch nur im Film“.

Bei ihrem Lebensgefährten Martin löst die Nachricht Begeisterung aus. Bei anderen Leuten allerdings stößt Brigitte auf Ungläubigkeit, Mitleid und Unverständnis. Sogar ihre Mutter meint bloß, „Das willst du dir in deinem Alter noch antun?“

Die werdenden Eltern legen sich eine Antwort zurecht. „Über ein Geschenk wie dieses freut man sich einfach.“ Sie wissen sich in guter Gesellschaft und vertrauen darauf, dass die Familiengründung zur Lebensmitte immer anerkannter wird.

Tipps

  • Wenn sich Leute ungefragt einmischen, zeigen Sie deutlich, dass Sie sich nicht dreinreden lassen wollen.
  • Reden Sie miteinander, wie die Situation aus der Sicht Ihres Kindes sein könnte.
  • Überlegen Sie, was es für Sie bedeutet, dass die Entscheidung für ein Kind Auswirkungen auf mindestens die nächsten 20 Jahre Ihres Lebens haben wird.
  • Akzeptieren Sie die Menopause als natürliche Grenze Ihrer Fruchtbarkeit. Außer Kindern gibt es noch viele andere Dinge, die Ihrem Leben Sinn geben können.
  • Wenn Ihr Körper eine Schwangerschaft angenommen hat, dürfen Sie darauf vertrauen, dass alles gut verlaufen wird.

Nicht immer löst Ihre „freudige Nachricht“ Begeisterung aus. Rechnen Sie auch mit Ungläubigkeit, Belustigung, Mitleid oder Neid. Nehmen Sie nicht alles persönlich. Bei manchen Menschen wissen Sie ja nicht, was diese mit dem Thema Kinderwunsch verbinden: Auch eine alte Wunde kann eine unfreundliche Reaktion verursachen. Echte Beleidigungen müssen Sie sich natürlich nicht gefallen lassen.

Hier einige Antworten auf unerwünschte Kommentare:

  • Ein Kind? In Eurem Alter!?
    Ja, und ein Wunschkind noch dazu!
  • War das ein Unfall?
    Alles andere wäre ein Unfall gewesen.
  • Ich dachte schon, Ihr könnt nicht …
    Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.
  • Das ging aber nicht mehr auf natürlichem Weg, oder?
    Nein, wir haben uns klonen lassen.
  • Ist es dafür nicht zu spät?
    Es ist ohnehin morgens passiert!
  • Habt Ihr Euch das wirklich gut überlegt?
    Ja, 40 Jahre lang.
  • Bei seiner Matura bist du schon im Altersheim!
    Macht nichts. Zu besonderen Anlässen bekommt man Ausgang.
  • Bist du nicht eher schon im Großmutter-Alter?
    Weißt du etwas, das ich nicht weiß?

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