Ehekrieg macht krank

Wo täglich die Fetzen fliegen oder eiszeitliches Schweigen den Ehealltag dominiert, leidet nicht nur die Beziehung, sondern auch die Gesundheit. Einer der Ersten, die das auch wissenschaftlich nachgewiesen hatten, war der amerikanische Beziehungsforscher John M. Gottman. In seinem Ehe-Labor, einer luxuriösen, mit Kameras und Mikrofonen ausgestatteten Dachwohnung in Seattle, hat er Paare wochenlang nicht nur beobachtet, sondern auch ihre Blutwerte gemessen. Dabei zeigte sich, dass glückliche Paare einen deutlich besseren Immunstatus hatten als jene, die einander neutral gegenüberstanden oder miteinander unglücklich waren. Sein pointierter Schluss aus der Studie: Würden Menschen nur einen Bruchteil der Zeit, die sie im Fitnessstudio verbringen, darauf verwenden, an ihrer Beziehung statt an ihrem Körper zu arbeiten, würden sie dafür drei Mal mehr für ihre Gesundheit gewinnen.

Inzwischen wurden seine Entdeckungen vielfach bestätigt, vor Kurzem etwa vom Ehe- und Forscherpaar Janice Kiecolt-Glaser und Ronald Glaser von der Ohio State University. Sie untersuchten Stresshormonspiegel und den Wundheilungsprozess verheirateter Paare. Bei jenen, die harmonisch miteinander auskamen und aufeinander eingingen, waren beide Werte stets besser. Die Zusammenhänge waren so eindeutig, dass die Forscher nach zehnjähriger Beobachtung ihrer Paare allein aus der Blutanalyse eine Prognose für den Fortbestand der Ehe hätten ableiten können. Alle Paare, die sich während des Beobachtungszeitraums trennten, hatten erhöhte Adrenalin-, Noradrenalin- und Kortisolwerte.

Folgerichtig müsste der Kortisolspiegel bei permanentem Zank und Hader in der Beziehung auch dauerhaft erhöht sein. Doch zur Verblüffung der Forscher blieb der Kortisolspiegel bei Paaren, die über viele Jahre hindurch über dieselben Dinge stritten, gleich oder sank sogar leicht. Durch die defekte Kortisolreaktion ging auch dessen Funktion als Stressbremse verloren – dauerstreitende Paare leiden also unter einem beklemmenden chronischen Stressgefühl. Ähnliche Veränderungen waren von der Wissenschaft erst einmal beobachtet worden: bei amerikanischen Vietnam-Veteranen, die mit ihren Kriegserlebnissen nie fertig wurden. Alltäglicher Kleinkrieg in der Beziehung kann sich also auf das Immunsystem ähnlich auswirken wie traumatische Kriegserlebnisse.

Buchtipp:
„Wer gesund stirbt, hat mehr vom Leben“, Siegfried Meryn und Christian Skalnik, Ecowin Verlag, € 19,95

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