Drei häufig gestellte Fragen zum Thema Sexualität

Jeder Mensch entwickelt im Laufe seines Lebens eine persönliche Sexualitätsgeschichte. Oder finden Sie, dass Ihre besten Freunde mit Sexualität genauso umgehen wie Sie? Was erzählen Sie Ihnen, was behalten Sie lieber für sich? Kontrast: Kaum ein Thema wird mehr öffentlich gemacht als Sexualität. Ob für Tierfutter, Versicherung oder Freizeitevents, Sexualität dient heute auch dazu um Menschen für sich zu gewinnen bzw. um für Produkte zu werben. Sexualität ist kontrastreich, hat einen persönlichen und öffentlichen Charakter. Persönliche Öffentlichkeit? Das ist ein Widerspruch, an dem sich vor allem Jugendliche erst gewöhnen müssen, gar keine leichte Aufgabe.

Nun zu den drei Fragen

  1. Wie sollen Eltern mit dem Thema Sexualität in der Familie umgehen?
    Psychologen empfehlen mit diesem Thema in der Familie besonders sensibel, aber auch offen umzugehen und ihre Kinder auf dem Weg zum Erwachsenwerden zu unterstützen. Für Jugendliche ist Sexualität meist ein zentrales Thema. Es braucht eine Vertrauensbasis zu den Eltern um sich mitteilen zu können, wenn es einmal mit der Liebe nicht so gut läuft!
    Aber wie entwickelt man Vertrauen? Familien, in welche über körperliche Empfindungen gesprochen wird, sind meistens auch durch einen Bogen des Vertrauens miteinander verbunden. Schon früh wird in diesen Familien humorvoll über die Befindlichkeit des Bauchs oder der großen Zehe gesprochen. Kinder lernen so noch vor der eigentlichen Geschlechtsreife auf ihren Körper zu hören und darüber zu sprechen. Kinder, die in ihrem Sosein anerkannt werden, sehen sich nicht nur selbst als wertvoll an, sondern entwickeln auch Vertrauen zu ihren Eltern.
    Die Themen Sexualität und Beziehung sind wie zwei Wollknäuel miteinander verwoben! Je breiter die familiäre Gesprächspalette, desto normaler ist es für Jugendliche über ihre eigenen Erfahrungen zu sprechen und sich Tipps zu holen. Noch etwas, achten Sie beim Thematisieren von Sexualität auf die Atmosphäre. Diese ist bei Jugendlichen genauso wichtig wie das Gespräch selbst. Abgeraten wird von einer elterlichen Haltung, die drängend wirkt, abwertet oder voll von Neugier ist. Jedes Familienmitglied hat das Recht auf seine ganz persönliche Intimsphäre.
  2. Wie schaffe ich es mein Kind vor dem falschen Partner zu schützen?
    Wie schon erwähnt entwickeln wir im Laufe unseres Lebens eine persönliche Sexualitätsgeschichte. Sexualitätsgeschichten brauchen Platz für eigene Erfahrungen. Zahlreiche Familienkonflikte mit Jugendlichen lassen sich darauf zurückführen, dass Eltern wegen einer überbesorgten Haltung ihre Sprösslinge in die Enge treiben und bei der Partnerwahl mitentscheiden wollen. Jugendliche reagieren in solchen Situationen häufig mit Rückzug. Nehmen Sie eine begleitende Haltung ein. Auch wenn Sie glauben es besser zu wissen, rücken Sie Ihre eigenen Erfahrungen in den Hintergrund. Meist genügt es seine Sorge anzusprechen, bohrende Fragen sollten Sie eher vermeiden. Um die passende Haltung zu finden, kann Ihnen ein Blick zurück in Ihre Jugend helfen: Was hätten Sie sich von Ihren Eltern sagen lassen? Was hätten Sie sich mit 14 Jahren von Ihren Eltern gewünscht? Erste Sexualitätserfahrungen gehen manchmal mit Enttäuschungen einher und trotzdem sind sie nicht zu verhindern. Die Partnerwahl hat viel mit dem Thema Selbstwert zu tun. Je früher Sie beginnen Ihrem Kind zu vermitteln, dass es liebenswert ist, desto weniger komplexbehaftet wird es in eine Partnerschaft gehen.
  3. Wie verhindere ich, dass mein Kind schwanger wird oder sich ansteckt!
    Zum Thema Sexualität gehören nicht nur schöne Erfahrungen oder Enttäuschungen, es geht auch um Schwangerschaftsverhütung und Geschlechtskrankheiten, wie z.B. Herpes Genitalis. Aids und Hepatitis C können ebenfalls durch Geschlechtsverkehr übertragen werden. Fragen über den Gebrauch von Kondomen, Arztbesuche und Möglichkeiten der Verhütung werden aktuell. Viele Eltern finden solche Gespräche peinlich und vermeiden sie deshalb. Erinnert Sie Ihr Sprössling nicht gelegentlich an Ihre eigene Jugend, insbesondere wenn es um „Erwachsenenthemen“ geht? In solchen Augenblicken ist ein Perspektivenwechsel ratsam: Was muss meine Tochter unbedingt wissen? Was braucht mein Sohn? Was muss er jetzt von seinem Vater, was von der Mutter wissen, um seine Sexualität gesund und seinem Alter entsprechend weiterzuentwickeln. Selbstverständlich sollten beide Eltern mit ihren Kindern offen sprechen.

Autor: Dr. Matthias Herzog Klinischer- und Gesundheitspsychologe

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