Digitales Lenkrad statt Teddybär

Playstation 3, Wii und Xbox 360. Besorgte Eltern haben beim „neuen Spielzeug“ schnell das Bild der einsamen, aggressiven Jugendlichen, die Killergames spielen, im Kopf. Eines von vielen Vorurteilen im Zusammenhang mit Games. Aber: „Gewaltvolle Computerspiele sind nicht die Ursache von gewalttätigem Verhalten“, sagt Anu Pöyskö, Leiterin des wienXtra-medienzentrums. Entscheidend ist, ob „eine Übertragung stattfindet, also Verhaltens- und Reaktionsmuster aus den Medien in das ,richtige Leben‘ über – tragen werden.“ Damit Kinder und Jugendliche das auseinanderhalten können, brauchen sie Unterstützung von Erwachsenen. Sich als ExpertIn aufzuspielen, ist allerdings nicht gefragt. Pöyskörät: „Sprechen Sie mit dem Kind, teilen Sie ihm Ihre Bedenken mit. Und geben Sie ihm die Möglichkeit zu erklären, was es an dem Spiel fasziniert.“

Spielen macht gscheit! Auch das Vorurteil „Games machen dumm“ lässt sich bei näherer Betrachtung entkräften. Denn Games schulen, wie andere Spiele auch, gewisse Fähigkeiten: Rätsel bei einem Abenteuerspiel lösen, Strategien entwickeln, ein Hindernis erkennen und darauf reagieren, sich konzentrieren, nachdenken, planen und dabeibleiben. „Sie fördern die Konzentration, die räumliche Vorstellungskraft und strategisches Denken. Allerdings kommt es auf die richtige Dosis an“, sagt Michaela Kempter, Medienpädagogin der wienXtra-spielebox. Aber Achtung: Ständig vor dem Computer zu sitzen, führt zu Kopfweh, Augenbrennen und motorischer Müdigkeit. Auch die Bewegung kommt zu kurz.

 

Ab wann und wie lang? Ab welchem Alter man den Nachwuchs spielen lässt, hängt von den Eltern ab. „Kleine Kinder im Kindergarten- und Vorschulalter müssen unterstützt werden. Lassen Sie das Kind dennoch selbst Erfahrungen sammeln. Wer sofort eingreift und die Lösung vorwegnimmt, verhindert ein Erfolgserlebnis des Kindes und es kann nicht selbst üben und ausprobieren“, so Kempter. Gibt es tatsächlich eine unbewältigbare Aufgabe, können Eltern in die Rolle des Kindes schlüpfen und sich gemeinsam mit ihm auf die Suche nach der Lösung machen. Wie lang das Kind spielen darf, hängt mit der Konzentration zusammen. Kempter: „Diese ist bei Vorschulkindern nach etwa 20 bis 30 Minuten erschöpft, zu Beginn der Volksschule können es auch mal 45 Minuten sein.“ Bei älteren Kindern ist es nicht sinnvoll, pauschale Angaben zu machen. Diese müssen genug Zeit für andere Aktivitäten, wie Sport oder Lernen, haben.

 

Das richtige Game. Die BuPP (Bundesstelle für die Positivprädikatisierung von Computer- und Konsolenspielen) testet Spiele und gibt Empfehlungen über gute Computerspiele ab. Auf der Website gibt es eine Übersicht empfehlenswerter Computerspiele. Eine gute Möglichkeit sind unter anderem auch die Computer- und Konsolenspiele- Workshops der wienXtra-spielebox. Dort stehen den Kindern geschulte MitarbeiterInnen bei Fragen zur Verfügung. Die Teilnahme ist kostenlos.

 

www.spielebox.at

www.bupp.at

www.saferinternet.at

 

 

Autor:  Silvia Pistotnig

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