Die Gesetze der Liebe

Jede Beziehung macht verschiedene Phasen durch, jede Beziehung entwickelt sich im Laufe der Zeit weiter“, erklärt Gesundheitspsychologin Dunja Radler (www.burnoutpraxis.at). So sei es normal, so die Expertin, dass die Leidenschaft nach jahrelanger Beziehung nicht mehr dieselbe Intensität haben kann wie zu Beginn, als man sich kennen- und lieben lernte. Radler betont, dass die Phasen in einer Beziehung nicht starr sind, oft ineinander übergehen oder sich auch wiederholen können. Und: Die Phasen sind weder alters- noch personenabhängig. Man kann auch mit 50 Jahren Schmetterlinge im Bauch spüren. Vor allem aber betont Radler, dass „sich die Phasen in jeder weiteren Beziehung wiederholen. Der Aufwach-Phase oder der Auseinanderleben-Phase entkommt man auch mit dem nächsten Partner nicht.“ Zudem müssen sich beide Partner nicht zwangsweise in derselben Phase befinden. „Wenn die Beziehung harmonisch läuft und die Partner gut zusammenpassen, passiert dies aber automatisch“, erklärt die Expertin.

1. Phase: Schmetterlinge im Bauch
Wir haben die rosarote Brille auf, und in unserem Bauch flattern die berühmten Schmetterlinge. Unsere Hände sind feucht und wir haben Herzklopfen. Eigentlich Symptome der Angst und der Panik – aber auch des akuten Verliebtseins. Radler nennt diese meist drei Monate andauernde Phase auch „Hormon-Phase“, da diese dafür sorgen, dass wir mit unserem Liebsten jede freie Minute verbringen wollen, ihm oder ihr die Wünsche von den Augen ablesen und nur allzu gerne Kompromisse eingehen. Der Partner wird als perfekt angesehen. Aber Radler warnt: Auch in dieser Phase gibt es Stolpersteine, die eine Beziehung schon zu Fall bringen können, bevor sie überhaupt richtig begonnen hat: „Am gefährlichsten sind zu hohe und unrealistische Erwartungen“, betont die Psychologin. Wenn man die Person, die man gerade erst kennengelernt hat, als Rettungsanker sieht, werden Erwartungshaltungen geschaffen, die nicht erfüllt werden können. Auch warnt Radler davor, die Person sofort als potenziellen Partner oder sogar als Vater/Mutter der zukünftigen Kinder zu sehen. „Diese Wünsche sind unrealistisch, man muss lernen, umzudenken – wenn nötig auch mit professioneller Hilfe. Denn man trägt immer selbst sehr viel zur eigenen Lage bei.“ So schön die Verliebtheitsphase auch ist, so nüchtern sieht die Realität aus. Radler: „Während dieser Phase ist das Gegenüber im Prinzip austauschbar. Den Partner macht man erst zum Traumpartner in der Entscheidungsphase.“

2. Phase: Aufwachen
Langsam verblasst die rosarote Brille – und der Partner bekommt Ecken und Kanten. Plötzlich sind es keine liebenswerten Macken mehr, sondern scheinbare Charakterfehler, mit denen man sich erst arrangieren muss. Man beginnt, Kompromisse auszuhandeln, Forderungen zu stellen und den Partner kritischer zu sehen. Radler: „Man wird in dieser Phase wieder mehr zum Individuum. Man zeigt sich nicht mehr nur von der Schokoladenseite und beginnt, Grenzen abzustecken.“ Trennungen sind in dieser Phase (dauert meist ein halbes Jahr) nicht selten. Wie geht man damit um, wenn die perfekte Fassade bröckelt? Radler: „Mit einem möglichst realistischen Beziehungsbild. Den perfekten Partner gibt es nicht. Der Macho wird nicht zu allen rüpelhaft sein, einen selbst aber als Prinzessin behandeln.“

3. Phase: Entscheidung
An diesem Punkt entscheidet man sich für oder gegen die Beziehung. Der Alltag schleicht sich langsam ein: Es nervt der oben gelassene Toilettensitz oder die offene Zahnpastatube. Die Zuneigung ist aber groß genug, um über solche Dinge hinwegzusehen. Oft beginnt hier bereits die Zukunftsplanung: Hat der Partner dasselbe Lebenskonzept wie ich? Will auch er heiraten und Kinder bekommen? „Solche Dinge früh abzuklären ist wichtig, da Ungeklärtes später zu unüberwindbaren Stolpersteinen werden kann“, warnt Radler. Männer sind in den letzten Jahren beziehungsscheuer geworden, während die Frauen nach wie vor von Kind und Ehe träumen. Bei fast allen Frauen beginnt zudem kurz vor dem dreißigsten Geburtstag die biologische Uhr zu ticken.

4. & 5. Phase: Erziehung und Zusammenraufen
Diese Phasen werden von vielen Paaren übersprungen. Gut so, wie Radler findet: „Den Partner erziehen und nach seinen Wünschen formen zu wollen ist vollkommen sinnlos und zerstört die Beziehung.“ In der fünften Phase rauft man sich zusammen, es wird gestritten, gekämpft – aber im Gegensatz zu früheren Phasen trennt man sich nicht mehr.

6. Phase: Bewährung
Die Beziehung wird ernster, man beginnt mit der Zukunft- und oftmals Familienplanung. Die Grenzen wurden festgesteckt, eine gewisse Sicherheit stellt sich ein. „Trotz Streitigkeiten weiß man, dass die Beziehung hält“, so Radler. Der Alltag holt einen ein, was auch bedeutet: Routine, Ruhe, Struktur.

7. Phase: Auseinanderleben
Auch wenn die Beziehung glatt verläuft – ein Auseinanderleben ist nichts Ungewöhnliches. Aufgrund von Job und Kindern kommt die Partnerschaft oftmals zu kurz, man nimmt sich gegenseitig nur noch als Eltern war. Reibungspunkte fehlen, weil man schon alles ausdiskutiert hat. Man respektiert sich – man hat sich aber auch mit dem anderen abgefunden. Affären und Seitensprünge kommen ins Spiel. „Ob man fremdgeht, ist eine Prinzipienentscheidung: Man tut es oder man tut es nicht“, erklärt Radler. Radler rät zu regelmäßigen Aufmerksamkeiten im Alltag, zum Mut, Neues auszuprobieren und respektvoll miteinander umzugehen. „Streitigkeiten sind kein Indikator dafür, dass eine Beziehung endet“, betont die Expertin. „Wichtig ist, WIE man streitet.“ Versuchen Sie, die Gefühle der Anfangsphase wiederherzustellen. Radler: „Die Beziehung hat eine große Chance, wenn die Gefühle zu Beginn sehr stark waren. Waren Sie das nicht und war auch der Sex niemals mehr als Mittelmaß, hat man es in dieser Phase sehr schwer.“

8. Phase: erneute Entscheidung
Man zieht Bilanz über das gemeinsame Leben und entscheidet: Gehen wir den Weg gemeinsam weiter oder wagen wir getrennt einen Neuanfang? Wenn die Kinder aus dem Haus sind und man bereits in Pension ist, kann ein neues Projekt (zum Beispiel eine Weltreise) helfen, sich gegenseitig, die Liebe und das Leben wieder neu zu entdecken. Wichtig: Die Sicherheit und nicht die Leidenschaft ist der Klebstoff in Beziehungen. „Das eine schließt das andere aus.“ Radler rät, die positiven Erlebnisse in Erinnerung zu behalten: „Was Menschen zusammenhält, sind weniger die Krisen, sondern die positiven Dinge, die gemeinsam erlebt wurden.“

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