Dick durch Medikamente

Nicht immer ist das schmackhafte Wiener Schnitzerl oder der innere Schweinehund, der uns Tag für Tag die Lust auf Sport vermiest, daran schuld, wenn die Waage mal wieder zu viele Kilos anzeigt: Auch zahlreiche Medikamente weisen diese Nebenwirkung auf. „Von einer unerwünschten Gewichtszunahme spricht man, wenn über einen längeren Zeitraum kontinuierlich ungewollt mehr als zwei Kilogramm Körpergewicht pro Monat zugenommen wird“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Kurt Widhalm, Präsident des Österreichischen Akademischen Institutes für Ernährungsmedizin. Der Experte betont: „Wichtig ist zu unterscheiden, welche Substanz zugenommen hat: Muskulatur, Fett oder Wasser? Bei Medikamenten handelt es sich in den meisten Fällen um Fett-, aber auch um Wasserablagerungen.“

Kortison
Es gibt zahlreiche Studien, die sich mit Gewichtszunahme durch Medikamente befassen, das Thema ist also medizinisch gut erforscht. Bekannt ist zum Beispiel und vor allem, dass der Wirkstoff Kortison das Gewicht steigen lässt – „und zwar innerhalb kurzer Zeit“, so Widhalm. Zum einen wirkt Kortison appetitanregend, wodurch es folglich zu einer größeren Fettablagerung kommt. Gleichzeitig aber senkt Kortison auch den Energieverbrauch, da der Körper zum einen nicht mehr gegen eine Entzündung ankämpfen muss, zum anderen – bei einer langfristigen Anwendung – an Muskelmasse abbaut. Experte Widhalm nennt noch einen weiteren Grund, wieso die Kilos im Rahmen einer Kortisontherapie in die Höhe schnellen: „Oftmals kommt es zu Wassereinlagerungen, sprich: Ödemen, die sich zum Beispiel durch ein aufgedunsenes Gesicht, das berühmte ‚Rheuma-Gesicht’, äußern.“ Eine (kleine) Entwarnung: Wird Kortison (oder kortisonähnliche Wirkstoffe, sogenannte Glukokortikoide) als Spray oder Salbe angewandt, beispielsweise bei Asthma oder Hauterkrankungen, ist das Risiko einer Gewichtszunahme um vieles geringer.

Psychopharmaka
Die zweite große Medikamentengruppe, bei denen es häufig zu vermehrten Kilos kommt, sind Psychopharmaka, allen voran Neuroleptika, Antidepressiva sowie einige Serotonin-Aufnahmehemmer. Auch beim Wirkstoff Lithium, das bei manischen Depressionen eingesetzt wird, ist Gewichtszunahme eine häufig beobachtete Nebenwirkung. „Die Mechanismen, wieso Psychopharmaka zu Gewichtszunahme führen, sind bis heute nicht gänzlich geklärt“, so der Ernährungsmediziner. „Als gesichert gilt, dass der Appetit gesteigert, jedoch die Beeinflussung des Regulationszentrums zugleich geschwächt wird. Das heißt, dass Patienten ihren Heißhunger schwer unter Kontrolle haben und sich beim Essen nur bedingt zurückhalten können.“

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