Detektive für den Kopf

Hatice ist ein 8-jähriges, körperlich altersgemäß entwickeltes Mädchen, das mit seinen Eltern und Geschwistern gut zurechtkommt. Sie war nie im Kindergarten. Ihre Mutter Emine hatte die Befürchtung, Hatice würde ohne Mama nicht klar kommen. Mit 7 Jahren kam sie in die Volksschule. Trotz ihrer gravierenden Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben drückte die Lehrerin ein Auge zu, sodass Hatice dieses Jahr in die zweite Klasse geht.

Allerdings werden ihre Schwierigkeiten in der Schule größer. Nun ist sie nicht nur im Deutschunterricht eine der Schlechtesten, sondern hat auch Probleme im Rechnen. Sie scheint nicht zu verstehen, wofür die Ziffern stehen. Nach ein paar Gesprächen mit der Mutter schlägt die Klassenlehrerin vor, für Hatice einen Termin beim Schulpsychologen zu machen. Emine gerät in Panik: „Was hat mein Kind beim Narrenarzt verloren? Ist sie unnormal oder was?“ Sie möchte den Vorschlag der Lehrerin ablehnen.

Dabei ist es wirklich nicht nötig, beim Wort Psychologe zu erschrecken. Spezialisierte Psychologinnen und Psychologen beschäftigen sich intensiv mit der Entwicklung von Kindern. Sie unterstützen Eltern, Lehrerinnen und Lehrer dabei, Probleme möglichst früh zu entdecken und mit oft einfachen Mitteln zu beheben. Es geht dabei nicht um normal oder nicht normal! Vielmehr soll zum Beispiel bei Hatice herausgefunden werden, woran es liegt, dass sie sich in der Schule so sehr anstrengt und trotzdem nicht besser wird. Das passiert dadurch, dass ein Schulpsychologe oder eine Schulpsychologin mit ihr und ihren Eltern spricht und vielleicht einen Test vorschlägt. Danach wird sichtbar, wo Hatice Stärken und auch, wo sie Schwächen hat. Vielleicht liegt – wie bei vielen Kindern – eine Lese-/Rechtschreibschwäche vor, für die es spezielle Übungen gibt. Oder es wird festgestellt, dass sie beim Schuleintritt nicht schulreif war. Vielleicht kommt sie einfach noch nicht mit der deutschen Sprache zurecht. Oder der Umzug macht ihr zu schaffen.

Das Ergebnis einer psychologischen Beratung sind immer konkrete Tipps zur Förderung Ihres Kindes. Genauso wie Sie als Eltern wollen Psychologinnen und Psychologen das Beste für Ihr Kind. Dank ihrer Ausbildung und reichen Erfahrung haben sie Antworten auf viele Elternfragen.

Wenn Ihr Kind hustet, wird die Ärztin oder der Arzt es mit einem speziellen Instrument abhorchen. Psychologische Tests sind auch nichts anderes als solche Instrumente, die helfen, der Ursache für ein Problem in der Entwicklung auf den Grund zu gehen. Jeder Test ist vielfach überprüft und bereits bei anderen ausprobiert worden. Deshalb können Expertinnen und Experten aus dem Ergebnis viel herauslesen. Für das getestete Kind und seine Eltern kann das spannend sein – schließlich erfahren Sie oft auch etwas über verborgene Begabungen.

Es gibt drei große Gruppen von psychologischen Tests:

  • Intelligenz- und Leistungstests

Diese Tests messen Allgemeinwissen, Wortschatz und Textverständnis, außerdem Fähigkeiten beim Problemlösen, bei der Raumwahrnehmung und beim Rechnen.

  • Persönlichkeitstests

Sie geben Auskunft über soziales Verhalten, Kommunikation und Motivation eines Kindes. Oft werden hier auch die Eltern befragt, um ein vollständiges Bild zu erhalten.

  • Projektive Tests

Diese Tests werden vor allem bei Kleinkindern eingesetzt. Spielerisch sollen sie eine Geschichte zu einem Bild erzählen oder einen Satz vervollständigen („Wenn ich erwachsen bin, werde ich …“). Auch Kinderzeichnungen kann man psychologisch deuten.

Kinder erleben psychologische Untersuchungen meistens als lustig und abwechslungsreich!
Wenn ein Test geplant ist, halten Sie das vor Ihrem Kind nicht geheim. Ihre eigene – unbegründete – Angst davor überträgt sich sonst aufs Kind. Beschreiben Sie lieber genau, was bei dem Test passiert und wie lange er dauert. Erzeugen Sie keinen Leistungsdruck. Sagen Sie etwa: „Du kennst ja Doktor Meier, er schaut jedes Jahr nach, wie groß und schwer du geworden bist. Genauso soll man regelmäßig nachschauen, wie sich deine Leistungen im Kopf entwickeln, und das geht mit lustigen Spielen“.

Autor: Mag.a Katharina Ratheiser

Vorheriger ArtikelDamit der Einstieg klappt
Nächster ArtikelIst unser Kind hyperaktiv?

Interessantes

- Advertisement -Jentschura

Empfehlungen