Der Rebell aus dem Kinderzimmer

Klaras Platz beim Abendessen bleibt leer. Die 13jährige war mit Schulfreundinnen im Kino und hätte mit dem Bus um halb neun heim kommen sollen. Ihre Eltern haben mit dem Essen gewartet und machen sich jetzt Sorgen. Klaras Handy ist abgedreht. Als ihr Vater nach einer Dreiviertelstunde mit dem Auto zum Kino fahren will, kommt ihm Klara gut gelaunt vorm Haus entgegen: „Hallo Papa, der Film war echt cool!“

Es gibt kaum eine Familie, in der nicht früher oder später über das Nachhausekommen diskutiert oder gestritten wird. Egal, wo Sie als Eltern die Grenzen setzen – Ihr Kind wird sie mit großer Wahrscheinlichkeit überschreiten. Was können Sie dann tun? Zunächst machen Sie deutlich, was Ihnen wichtig ist – aber ohne mit Liebesentzug zu drohen: „Mir gefällt es nicht, dass du zu spät kommst. Weil ich mir dann Sorgen mache.“

Jugendliche brauchen und wollen Grenzen, auch wenn sie das nicht zugeben. Kommt ein Teenager ein paar Minuten zu spät nach Hause, ist das keine Katastrophe. Klara überzieht aber schon zum dritten Mal die Ausgehzeit um 45 Minuten. Ohne Worte stellt sie damit ihren Eltern die Frage: Wie wichtig bin ich euch? Hat meine Grenzüberschreitung Folgen? Bewirke ich etwas mit dem, was ich tue, oder bin ich euch egal?

Daher sind Konsequenzen wichtig. Sie geben dem Kind die Antwort: Auf deine Eltern kannst du dich verlassen. Sie interessieren sich für dich. Was du tust, hat Folgen.

Konsequenzen müssen erstens angekündigt werden und zweitens angemessen sein. Nach dem ersten Zuspätkommen wurde mit Klara vereinbart, dass sie ein Monat lang nur in die Nachmittagsvorstellung im Kino gehen darf, wenn sie wieder unpünktlich ist. Beim zweiten Mal hat sie angerufen und gesagt, dass der Film Überlänge hat. Daher haben die Eltern sie nur ermahnt. Aber diesmal geben sie nicht nach: „Du weißt, was das heißt. Die nächsten vier Wochen musst du um 18 Uhr daheim sein.“ Klara mault, „Ich bin doch kein Baby mehr“, doch ihr Vater bleibt dabei.

Ärger und Unwillen der Jugendlichen auszuhalten, fällt nicht leicht. Ein Nein – mit Wertschätzung ausgesprochen – ist aber hundertmal besser als ein Ja aus Bequemlichkeit. Denn Kämpfe um Regeln und Freiheiten sind in der Pubertät wichtig. Nachgeben hilft den Kindern nicht – im Gegenteil. Grenzüberschreitungen sollen erwartbare Folgen haben, die mit der verletzten Regel zusammenhängen. Sie müssen sich auf das Verhalten des Kindes beziehen und dürfen das Kind nicht entwürdigen. (Das ist der Unterschied zur willkürlichen Strafe.) In Klaras Fall wäre etwa ein Fernsehverbot nicht passend: Denn rechtzeitig heimkommen hat nichts mit Fernsehen zu tun.

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