Der Mensch als Ökosystem

In und auf unserem Körper existieren Bakterien, Viren, Pilze, Milben und andere Kleinstlebewesen. Viele davon leisten einen wichtigen Beitrag für unsere Gesundheit.

Fast jeder Mensch trägt Herpesviren in sich. Bei manchen kommt es dadurch zu den lästigen „Fieberblasen“ an der Lippe.

Verschiedene Pilzarten können auf bzw. in unserem Körper wachsen und zu Infektionen führen. Wie etwa der Fußpilz.

Spezielle Viren, sogenannte Bakteriophagen, machen im menschlichen Organismus Jagd auf Bakterien. Wir bestehen nicht nur aus „menschlichen“ Zellen, in die gelegentlich andere Lebensformen eindringen. Unser Körper ist vielmehr eine Gemeinschaft aus verschiedenen Organismen. Die Formen des Zusammenlebens sind unterschiedlich. Art und Anzahl unterscheiden sich von Mensch zu Mensch und je nach Körperregion. Es gibt Lebewesen, die sich hier nur vorübergehend aufhalten, andere sind gekommen, um zu bleiben. Einige können gefährlich sein und krank machen, die gilt es zu vertreiben und zu vernichten. Mancher Mitbewohner schadet uns zwar nicht, bringt uns aber auch keinen Nutzen. Er selbst profitiert hingegen, indem er sich z.B. von den Nahrungsmitteln, die wir zu uns nehmen oder unseren Ausscheidungsprodukten ernährt. Ein Beispiel hierfür ist die Haarbalgmilbe, die unseren Körper (z.B. zwischen den Augenwimpern) besiedelt und sich von den Hautschuppen ernährt. Und dann befinden sich hier auch noch jene, die sogar einen Vorteil für uns bedeuten.

Bakterien sind nützliche Mitbewohner
Sie wohnen auf der Haut, in der Mundhöhle, den Atemwegen, im Genitaltrakt und sind in zahlreicher Art vertreten. Alleine auf unserer Zunge befinden sich rund 9.000 unterschiedliche Stämme. Die Bakterien bereiten dem Menschen in der Regel keine Probleme. Im Gegenteil, sie sind sehr nützlich: Die harmlosen Mitbewohner nehmen den Platz ein, den schädliche Erreger nicht mehr in Anspruch nehmen können. Auf der Haut wirken sie wie ein Schutzmantel, der uns hilft, Krankheitserreger abzuwehren. Bei Verletzungen oder einem geschwächten Immunsystem können aus hilfreichen Bewohnern auch Schädlinge werden. Die Kleinstlebewesen dringen in tiefere Hautschichten ein und verursachen eine Infektion. Im Darm – die Darmflora ist der größte Sammelplatz für Mikroben – besiedeln Bakterien die Schleimhaut und nutzen den Darminhalt als Nahrungsquelle. Als Gegenleistung produzieren sie Vitamine und liefern Enzyme, ohne die unser Verdauungstrakt die Nahrung nicht zersetzen bzw. aufnehmen könnte. Außerdem blockieren sie die Ansiedlung schädlicher Mikroorganismen und sind Teil unseres Immunsystems. Wie mittlerweile in verschiedenen Studien belegt wurde, beeinflussen unsere Darmbewohner auch das Gemüt. Der Darm kann über sein komplexes Nervensystem mit dem Gehirn “kommunizieren“ und auf diese Weise Emotionen sowie Gefühle steuern. Forscher gehen sogar davon aus, dass bei einer gestörten Darmflora das Risiko für psychische Erkrankungen wie Depressionen deutlich steigt.

Pilze – potenzielle Krankmacher
Diese Organismen findet man nicht nur als Schwammerl im Wald, sie kommen auch bei uns ganz natürlich auf der Haut oder im Körper vor. Zu den wichtigsten Arten gehören die Hefepilze (Candida), die sich auf Schleimhäuten, im Darm oder an der Scheide ansiedeln. Meist leben wir mit diesen „Gästen“ unbeschadet zusammen. Unter bestimmten Bedingungen (Änderung des Milieus, wo sie sich aufhalten) und einem schwachen Immunsystem können sie sich jedoch auf oder im menschlichen Organismus ausbreiten und uns Schaden zufügen. Am häufigsten kommt es zu Fuß- und Nagelpilzinfektionen oder Erkrankungen an den Geschlechtsorganen. Manchmal können Pilzinfektionen auch eine Lungen- oder Schleimhautentzündung im Mund auslösen und bei geschwächten Abwehrkräften sogar lebensbedrohlich werden.

Virale Untermieter
Biologen schätzen, dass etwa zehnmal mehr Viren auf und im menschlichen Körper leben als Bakterien. Hier ist die Unterscheidung zwischen Freund und Feind um einiges schwieriger. Viren besitzen Eigenschaften, die sie zu nicht ganz unproblematischen Mitbewohnern machen. Um existieren zu können, müssen Viren lebende Zellen infizieren. Sie verursachen aber nicht zwingend Krankheiten, da das Immunsystem in der Lage ist, so manche Viren erfolgreich zu bekämpfen. Kommt es zu einer Infektion, dann kann diese harmlos (z.B. Erkältung) sein oder zur ernsthaften Erkrankung führen. In Untersuchungen wurden am häufigsten Herpes-, Papilloma- und Adenoviren (verantwortlich für Erkältungen und Lungenentzündungen) entdeckt. Experten vermuten, dass die vielen harmlosen Viren die Abwehr auf schwerwiegende Virusinfektionen vorbereiten. Viren gehören jedoch zu den biologischen Einheiten, die sich am schnellsten verändern (mutieren). Aus einem vergleichsweise harmlosen Vertreter kann schnell eine gefährliche Variation entstehen. Viele in unserem Körper lebenden Viren greifen unsere Zellen nicht an, sie infizieren Bakterien, um sich zu vermehren. Für die Bakteriophagen dienen wir somit nur als „Jagdrevier“. Laut Forschern binden sich einige von ihnen an Zellen auf der Oberfläche von Schleimhautmembranen, die etwa Nase, Rachen, Magen und Darm auskleiden. Dort können sie sich zwar nicht vermehren, aber warten, bis ein entsprechender Wirt vorbeikommt. Dies könnte uns von Nutzen sein. Wenn nämlich krankmachende Bakterien in unseren Organismus eindringen und sofort von den lauernden Phagen infiziert und für uns unschädlich gemacht werden.

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