Der Krampf mit den Adern

Es ist wieder an der Zeit, Röcke, kurze Hosen und Badekleidung aus den hintersten Ecken des Kleiderkastens hervorzuholen und die immer wärmer werdenden Sonnenstrahlen auf nackter Haut zu genießen. Wären da nicht diese bläulichen, dicken Venen, die sich über das gesamte Bein schlängeln und das Selbstbewusstsein vieler Betroffenen so stark mindern, dass sie auch im Hochsommer zu langen Hosen greifen. „Besonders Frauen empfinden Besenreiser und Krampfadern als großes ästhetisches Problem, das mit der Zeit zur psychischen Belastung wird“, weiß Philippe Bull, Wiener Facharzt für Chirurgie, aus Erfahrung, betont aber: „Was als ästhetisch unschön empfunden wird, ist immer persönliche Ansichtssache!“

Venenfunktion
Generell versteht man unter Krampfadern (in der Fachsprache Varikosis genannt) dauerhaft erweiterte, unregelmäßig geschlängelte Venen. Die „Vorstufe“ von Krampfadern sind die ebenso bekannten Besenreiser, die meist am Innen- und Oberschenkel entstehen. Sie sind kleinste erweiterte Hautvenen, die eine Verbindung zwischen Arterien und Hauptvenen darstellen und violett oder blau (manchmal auch rötlich) durch die Haut schimmern. „Die Venen sind für den Transport des Blutes – täglich rund 7.000 Liter! – in Richtung Herz zuständig“, erklärt Facharzt Bull. „Beim Sitzen, Stehen und Gehen muss das Blut in den Beinvenen ‚bergauf’ fließen. Dieses Transportproblem wird von gesunden Venen mit Unterstützung der Wadenmuskulatur spielend bewältigt.“ Venenklappen sind dafür verantwortlich, dass das Blut nicht wieder zurückfließt. Liegt jedoch ein Funktionsverlust dieser Venenklappen und somit eine Venenschwäche vor, fließt stets etwas Blut zurück und lagert sich in den Venen ab, es kommt also zu einer Stauung in den Beinen. Die Folge: Krampfadern und Schwellungen beziehungsweise Ödeme (Flüssigkeitsansammlung im Gewebe).

Risikofaktoren
„Varikosis ist eine sehr häufige Erkrankung“, so Bull. Mit dem Alter steigt das Risiko, Krampfadern zu entwickeln, „aber auch junge Menschen können eine Varikosis aufzeigen. Dann handelt es sich wahrscheinlich um eine stark ausgeprägte genetische Veranlagung.“ Weitere Risikofaktoren neben der Genetik sind Übergewicht, Bewegungsarmut – sowie Schwangerschaft. „In diesem Fall entsteht ein größerer Druck auf den Beckenbereich beziehungsweise den Beckenvenen, was eine Entstehung von Krampfadern begünstigt.“ Trotzdem sind Frauen nicht wesentlich häufiger als Männer von Varikosis betroffen, so Bull. Neben der unschönen Ästhetik gilt es aber auch (oder vielmehr!), an die möglichen gesundheitlichen Folgen von Varikosis zu denken, die immer noch allzu oft auf die leichte Schulter genommen werden, warnt der Arzt: „Krampfadern verursachen unter anderem Müdigkeit, ein Schwere- und Spannungsgefühl in den Beinen, Wadenkrämpfe, Schwellungen, Ödeme sowie nächtliche Unruhe der Beine. Im Laufe der Zeit können Hautveränderungen und Venenentzündungen entstehen. Treten Venenentzündungen wiederholt auf, kann es zur Entwicklung eines Geschwürs am Unterschenkel kommen.“ Dieses Geschwür, so Bull, kann immer wieder aufbrechen und an Größe zunehmen, „sodass eines Tages nicht mehr erfolgreich behandelt werden kann.“ Diese chronischen Veränderungen, vom Ödem bis zum Unterschenkelgeschwür, werden als chronisch venöse Insuffizienz zusammengefasst. „Meist verstärken sich die Symptome bei Wärme sowie bei längerem Stehen und Sitzen.“ Nicht zuletzt sei bei ausgeprägten Krampfadern auch die Gefahr einer Thrombose nicht zu unterschätzen, gibt der Facharzt zu bedenken.

Diagnose
Bei Schmerzen, anhaltenden Schwellungen, Knötchenbildung, Hautveränderungen oder gar einer Spontanblutung entlang der Vene sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Die Diagnose besteht neben einer ausführlichen Anamnese aus einer physikalischen Untersuchung. Danach wird via Ultraschall (Bull: „Standard in der Varizendiagnostik!“) untersucht, wie sehr die Venen tatsächlich erweitert sind. „Eine Röntgenuntersuchung hingegen ist vor allem als Ergänzung zum Ultraschall sowie zur Operationsplanung zu empfehlen. Zudem ist sie bei Untersuchungen vor bestimmten Therapien notwendig, zum Beispiel bei einer Entfernung eines arteriellen oder venösen Blutgerinnsels – Thrombektomie genannt – oder bei einer Fibrinolyse, also einer Auflösung eines Blutgerinnsels mit Medikamenten.“

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