Das wird mein Traumurlaub!

Vom Schreibtisch zum Flughafen hetzen und dann gleich in den Liegestuhl? Das bringt nur vermeintlich Erholung. Wer aber bei der Urlaubsplanung ein paar Punkte beherzigt, kann Arbeit und Stress in den Ferien getrost vergessen. Und wird seinen Kollegen im besten Fall keine Minute abgehen.

Die Auszeit gut planen. Am besten macht man sich bei der Urlaubsplanung von allen Klischees frei. „Schließlich will man ja in erster Linie entspannen – und nicht mit einem tollen Urlaubsziel oder der nahtlosen Bräune beeindrucken“, erklärt Sibylle Steidl, Psychotherapeutin in Bad Vöslau. „Überlegen Sie sich genau, welche Art der Auszeit für Sie die beste Erholung verspricht.“ Schon die Wahl des Reiseziels ist entscheidend: „Eine nahe Destination oder eine vertraute Gegend steigern bei den meisten Menschen den Erholungseffekt.“ Zwei Wochen Salzkammergut können mehr Entspannung bringen als Insel-Hopping in der Karibik. Andererseits sollte der Urlaub einen deutlichen Kontrast zum Arbeitsalltag bilden, um die innere Balance wiederherzustellen. Das bedeutet: Geht es im Beruf sehr hektisch zu, sollte man sich im Urlaub vor allem Ruhe gönnen. „Wer hingegen einen eher eintönigen Job hat, wird sich am besten einen Urlaub überlegen, der viel Abwechslung oder sogar Abenteuer bietet.“  

Wie lange soll man freinehmen? Generell gilt: Gönnen Sie sich Zeit. „Merkliche Urlaubseffekte setzen ungefähr nach einer Woche ein,“ meint die Psychotherapeutin. „Wenn man vom Alltag Abstand gewinnen und über sein Leben nachdenken will, sind mehrwöchige Urlaube sinnvoll.“ Das bedeutet: 14 Tage am Stück sollten drin sein, um richtig abzuschalten – wenigstens einmal im Jahr. Wer eine regelmäßige Auszeit benötigt, um sich vor einem Burn-out zu retten, der sollte lieber häufiger, dafür aber kürzer urlauben. Drei bis vier Wochen nach Urlaubsende sind die Effekte zumeist ohnehin wieder aufgebraucht. Steidl: „Bei Menschen, die im Urlaub zumindest jeden zweiten Tag mehrere Stunden gewandert sind, bleiben die positiven Nachwirkungen allerdings länger bestehen.“

Gezielt in den Urlaub starten. Am Freitag noch totale Hektik im Büro, am Samstag mit der ganzen Anspannung in der Strandliege: ein großer Fehler! „Wer mit Vollstress in den Urlaub fährt, bekommt häufig eine Verkühlung“, so die Expertin. „Das ist ein typisches Phänomen, wenn auf eine hohe Belastung eine Entlastung folgt. Dieser ruckartige Wechsel überfordert das Immunsystem, die Abwehrkraft lässt spürbar nach.“ Besser ist es, zumindest einen Puffertag einzuplanen: Man kann in Ruhe einpacken und drosselt langsam das Alltagstempo. „Es ist auch o.k., den ersten Urlaubstag im Garten oder im Bett zu verbringen und erst am zweiten Tag die Koffer zu packen.“ In den ersten Tagen am Urlaubsort sollte man Bewegung machen und sich nicht gleich in den Strandkorb fallen lassen. „Gehen Sie wandern, laufen, Rad fahren, schwimmen, um die Anspannung schneller abzubauen.“

Liegestuhl-Burn-out? Nein danke! Bei so manchem kreisen die Gedanken auch noch im Urlaub beinahe zwanghaft um den Job. Das ist nicht mal so selten, wie eine Umfrage zeigt: Jeder Zweite ruft im Urlaub berufliche E-Mails ab, jeder Dritte führt dienstliche Telefonate. Gegen dieses „Ich bin unverzichtbar“-Syndrom hilft nur das langsame Umschalten in den Relax-Modus. Steidl: „Rituale können dabei helfen – zum Beispiel ein Spaziergang oder ein Ausflug, der einen gezielt ablenkt.“ Arbeitsrechtlich muss niemand im Urlaub telefonisch erreichbar sein. „Eine gewisse Abstinenzphase hat auch den Sinn, um zu überprüfen: Schaffe ich das überhaupt noch, einige Tage nicht den Laptop einzuschalten?“ Nur so kann man zu sich finden, sich selbst und seine Umgebung wahrnehmen und sich einen inneren Freiraum zum Job schaffen. Daher sollte man rechtzeitig abklären, ob man auch Handy und Laptop für eine gewisse Zeit abschalten kann, und die Kollegen entsprechend darauf vorbereiten. „Trauen Sie Ihrer Vertretung auch was zu und sorgen Sie gut vor.“ Wer ohne technische Verbindung zum Arbeitsplatz nicht wegkann, der könnte zum Beispiel festlegen, dass er nur einmal täglich wichtige Nachrichten abruft.

Bürofrust nicht am Partner auslassen. Wem es noch immer schwerfällt, den Job aus dem Kopf zu bekommen, sollte sich laut Steidl lieber um Abwechslung bemühen, anstatt den Partner damit zu konfrontieren: „Der braucht nämlich auch Abstand vom Alltag – genauso wie Sie. Unternehmen Sie gemeinsam etwas Außergewöhnliches oder Aufregendes.“ Das lenkt ab und man bekommt den Kopf leichter frei. To-do-Listen haben in den Ferien übrigens gar nichts verloren. Genauso wie übersteigerte Erwartungen. „Die sind der größte Feind des Traumurlaubs!“, betont Steidl. „Stattdessen sollte man auf Reisen seine Überraschungskompetenz üben und es darauf anlegen, auch Unvorhergesehenes zu erleben. Denn das sind oft genau jene Dinge, die uns glücklich machen. Zum Beispiel das zufällig entdeckte Fischrestaurant oder der Insidertipp eines Einheimischen zum spontanen Ausflug in ein Naturschutzgebiet.“

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