„Das Wichtigste ist, keine Angst zu haben!“

Sie prägte den ORF wie nur wenig andere: Danielle Spera war viele Jahre lang Auslandsreporterin, bevor sie 1988 das Gesicht der Hauptnachrichten „Zeit im Bild 1“ („ZiB 1“) wurde – und das ganze 22 Jahre lang. Zweimal, 1991 und 2007, wurde sie vom Publikum zur beliebtesten Fernsehmoderatorin gekürt. Nachrichten mit Niveau und Charme – das hat man jahrzehntelang mit Danielle Spera verbunden.

Berufung. 2010 überraschte sie mit ihrem Abschied vom TV-Bildschirm und ihrer Entscheidung, die Direktion des Jüdischen Museums Wien zu übernehmen. Als „Berufung“ bezeichnet Spera diese Aufgabe. Ihr Vater war Jude und beim Anschluss Österreichs an das nationalsozialistische Deutsche Reich (1938) zehn Jahre alt. Um seine Kinder vor seinen damaligen Erfahrungen zu schützen, schickte er Tochter Danielle auf eine katholische Privatschule. Sie selbst habe aber immer eine enge Verbindung zum jüdischen Glauben gehabt, erzählt Spera. Heute lebt sie, gemeinsam mit ihrem Mann, dem Psychoanalytiker Martin Engelberg, mit dem sie seit 1994 verheiratet ist, und ihren drei Kindern ein „traditionelles jüdisches Familienleben“, wie sie es selbst beschreibt.

Voller Erfolg. Spera, die in Publizistik und Politikwissenschaften promovierte, ist dafür bekannt, ihre Gäste mit einem warmherzigen Lächeln im Museum zu begrüßen. Ihr Vertrag als Museumsdirektorin, der eigentlich mit Ende Juni 2015 ausgelaufen wäre, wurde um weitere fünf Jahre und damit bis Mitte 2020 verlängert. Keine Überraschung: Das Museum feiert unter ihrer Direktion große Erfolge. So hat Spera in ihrer ersten Direktionsperiode gemeinsam mit ihrem Team das Jüdische Museum Wien nicht nur baulich generalsaniert, sondern setzte auch inhaltlich vollkommen neue Akzente: Angefangen von der Schausammlung über das Kinderatelier bis zum neu gestalteten Eingangsbereich und den frisch renovierten Schauräumen präsentiert sich das Jüdische Museum Wien unter Spera in neuem Glanz. Interessante Wechselausstellungen wie „Bigger than Life – 100 Jahre Hollywood. Eine jüdische Erfahrung“ erfreuen sich stets großer Beliebtheit. Trotz ihres vollgepackten Terminkalenders fand die sympathische 58-Jährige Zeit für ein Gespräch mit GESÜNDER LEBEN.

GESÜNDER LEBEN: Sie traten 2010 den Job als Direktorin des Jüdischen Museums Wien an – mit dem erklärten Ziel, Räume zu schaffen, in denen Ängste und Vorurteile abgebaut werden. Welches Resümee können Sie sechs Jahre später ziehen?
Danielle Spera Wir erleben im Jüdischen Museum täglich großartige Begegnungen mit Besucherinnen und Besuchern aus den verschiedensten Ländern und Kulturkreisen. Besonders wichtig sind uns dabei die jungen Menschen. Wir empfangen jeden Tag auch österreichische Schüler zwischen 6 und 18 Jahren. Diese Gruppen sind sehr divers, meist ist dabei auch der Islam stark vertreten. So gelingt es uns, auf die Gemeinsamkeiten in unseren Traditionen hinzuweisen, sei es über das Essen oder über die verschiedenen Feiertage, wo es zahlreiche Parallelen zwischen Christentum, Islam und Judentum gibt. Wichtig ist, dass unsere Gäste etwas finden, an das sie anknüpfen können und das funktioniert inzwischen hervorragend.

GL: In Zeiten, in denen die Skepsis gegenüber dem Fremden, dem Anderen zunimmt – spüren Sie aktuell eine besondere (stärkere) Verantwortung bzw. Verpflichtung als Direktorin des Jüdischen Museums?
Als Direktorin des Jüdischen Museums Wien trage ich zu jeder Zeit Verantwortung. Wir betreuen seit einigen Monaten auch Gruppen von Flüchtlingen, Menschen, die neu in unser Land gekommen sind und vor allem aus dem arabischen Raum stammen. Für uns ist es enorm wichtig, mit ihnen einen Diskurs zu führen und ihnen die jüdisch-österreichische Geschichte näherzubringen. Wir gehen dabei auch auf die Themen Heimatverlust, Migration, Neuanfang in einem anderen Land, Erinnerung und Ankommen ein. Themen, die jeden Menschen berühren, der sich auf Wanderschaft befindet, egal ob er sich freiwillig oder unfreiwillig auf Reisen begeben musste.

GL: Ist es ein Vorurteil, dass die Skepsis der Österreicher gegenüber Fremden zugenommen hat?
Dies ist immer eine Frage der Wahrnehmung. Was wir im Jüdischen Museum erleben, ist ein großes Interesse an anderen Kulturen. Wir versuchen hier ein Beispiel zu setzen, wie ein fruchtbares Kennenlernen und aufeinander Zugehen tatsächlich aussehen kann.  

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