Das Wetter bestimmt unser Wohlbefinden

Es ist neblig draußen, als wir uns mit Christa Kummer im ORF-Zentrum am Küniglberg zum Interview treffen. Sie selbst aber ist von der ersten Minute an bestens gelaunt. Die Kummer, die ist genau so, wie man sie vom TV kennt. Heißt: quirlig, unkonventionell, kommunikativ. Sogar die High Heels fehlen zum modischen Rest-Outftit nicht („Man glaubt’s nicht, aber die sind bequem wie Hauspatschen!“). Aber eigentlich ist es unfair, Christa Kummer auf Wetter, Redseligkeit und Schuhwerk zu reduzieren. Denn Kummer ist nicht nur Frau Doktor (der Geografie), sondern war anno 1995 auch die erste Frau, die im ORF das Wetter moderieren durfte. Überraschend ist das eigentlich nicht: Die Powerfrau („Ich bin weder eine Wetterfee noch eine Sprechpuppe!“) ist ehrgeizig und zielorientiert. Das, was sie erreicht hat, das genügt nicht. Weil sie weiß: Sie kann noch mehr. Also ist sie nicht „nur“ Meteorologin und Moderatorin, Kummer hält auch Seminare und Vorträge zum Thema „Gesundheit und Klima“, bietet Coachings zum Thema Moderation an und schreibt erfolgreich Bücher (u. a. „Natur im Wohnraum“). Was nur wenige wissen: In ihren Jugendjahren war Kummer Profi-Leichtathletin. Mit großem Erfolg. Natürlich.
In GESÜNDER LEBEN spricht sie über Gesundheit, Sport, Ehrgeiz und natürlich das Wetter.

GESÜNDER LEBEN: Hand aufs Herz: Sind Sie auch mal vom Wetter genervt?
Christa Kummer: Privat ist mir das Wetter egal – ich kann’s ja sowieso nicht ändern! Ich mache immer das Beste aus dem Wetter. Man ist aber permanent in der Prognose-Rolle. Man analysiert das Wetter, fragt sich, warum heute blauer Himmel ist, obwohl das laut Prognose nicht sein sollte. Und  man freut sich natürlich, wenn man mit den Vorhersagen recht gehabt hat! (lacht)

GL: Beeinflusst das Wetter unsere Gesundheit? Oder ist das Aberglaube?
Kummer: Auf keinen Fall. Es gibt zahlreiche Studien, die diesen Zusammenhang bestätigen. Wir spüren die tagtäglichen Druckveränderungen. Hat der Körper eine Schwachstelle, beispielsweise durch Krankheiten, Verletzungen oder Operationen, dann wird unser vegetatives Nervensystem gestört, und wir werden wetterfühlig. Wir spüren Symptome wie Migräne, Gelenksschmerzen, Gereiztheit oder Müdigkeit. Ich selbst bin schon seit Kindestagen sehr wetterfühlig. Wenn es zum Beispiel vom Westen her sehr kalt wird, bekomme ich schon Tage vorher Gelenks- und Kopfschmerzen. Gegen Wetterfühligkeit hilft körperliche Betätigung an der frischen Luft und bewusste Ernährung.

GL: Wie sieht’s mit dem Einfluss des Wetters auf unsere Psyche aus?
Kummer: Das Wetter hat auch auf die Psyche einen großen Einfluss, Stichwort: Winterdepression. Wir haben verlernt, mit den biologischen Jahreszeiten zu leben. Wenn im Frühling wieder die Natur erwacht und zu neuen Kräften gelangt, sollten auch wir das tun. Im Herbst sollte man hingegen entschleunigen und zurückfahren, während im Winter Ressourcen gespart werden sollen und wir uns regenerieren. Unsere Vorfahren haben nach diesem Prinzip gelebt, wieso also nicht auch wir? Bei uns ist das gesamte Jahr hindurch Halligalli. Aber jeder Körper braucht Ruhephasen. Kein Wunder, dass immer mehr Menschen an Burn-out leiden. Weil wir unseren Körper, unseren Rhythmus nicht an die Natur anpassen.

GL: Wie sehen Ihre Ruhephasen aus?
Kummer: Privat ist mein Handy auf lautlos gestellt und ich verweigere soziale Netzwerke. Ein kleiner Schritt mit großer Wirkung!

GL: Themenwechsel. Sie waren in Ihren Jugendjahren Leichtathletin …
Kummer: Ja, meine aktivsten Jahre waren zwischen 14 und 18. Ich war Leistungssportlerin im Sprint und u. a. siebenfache Wiener Landesmeisterin. Ich war ein kleiner Speedy Gonzales! Bis zu viermal die Woche habe ich stundenlang im Stadion trainiert. Es war eine sehr schöne, aber auch eine sehr intensive Zeit. Ich bin nach der Schule sofort zum Training, das sehr hart war, gefahren und habe die Hausübungen oft im Bus gemacht. Ich habe den Sport sehr ehrgeizig verfolgt – vielleicht sogar zu ehrgeizig, denn schon mit 16 hatte ich starke Probleme mit meinen Knien und den Sehnenbändern. Das war auch mit ein Grund, wieso ich mit dem Sport aufgehört habe. Irgendwann wurde es zu viel, ich hatte keine Freude mehr daran. Heute übe ich außer Nordic Walking und Fliegenfischen keinen Sport mehr aus.  

GL: Was haben Sie vom Leistungssport mitgenommen?
Kummer: Das Sprichwort „Dabeisein ist alles“ hat für mich nie gegolten. Ich wollte gewinnen, wollte immer mein Bestes geben. Erst dann war ich zufrieden. Ich habe beim Training immer noch eins draufgesetzt. Und das gilt wohl auch heute noch. Ich mache keine halben Sachen. Entweder ganz oder gar nicht. Deshalb: Der Hochleistungssport war für mich ein sehr gutes Training fürs Leben. Man arbeitet hart an sich und für ein ganz bestimmtes Ziel; lernt Disziplin, aber auch zu verlieren.

GL: Metaphorisch gesprochen: Wie weit wollen Sie heute noch springen?
Kummer: Ich war immer sehr ehrgeizig und zielorientiert, auch in der Schule. War nie zufrieden mit mir selbst und bin heute noch mein größter Kritiker. Aber: Mit dem Alter wird man weiser und gelassener. Früher habe ich mich manchmal selbst zerfleischt, das ist heute nicht mehr der Fall. Ich habe sehr viel erreicht in meinem Leben, obwohl vieles nicht geplant war. Ich bin stolz auf mich.

GL: Warum dieser sportliche Ehrgeiz?
Kummer: Ich habe es genossen, meine Grenzen auszuloten und diese auch zu überschreiten. Nach meinem ersten 400-Meter-Sprint glaubte ich, meine Brust zerspringt, so schnell hat mein Herz gepocht. Aber es war auch ein schönes Gefühl, da ich mich selbst bis zum Limit gebracht habe.

GL: Sie haben zuvor Fliegenfischen angesprochen – ein außergewöhnliches Hobby für so eine quirlige Person …
Kummer: Beim Fliegenfischen sitzt man ja nicht herum und wartet stundenlang, bis ein Fisch anbeißt. Man legt hier oft mehrere Kilometer zurück, lernt eine spezielle Wurftechnik und versucht, die Natur nachzuahmen. Mehr noch: Man versucht sogar, die Natur zu überlisten. Das ist es, was mich an diesem Sport so fasziniert. Man muss sehr gute Kenntnisse über die Struktur des Wassers und die Natur um sich herum haben. Man hat nur höchstens zweimal die Chance, an derselben Stelle einen Wurf zu platzieren. Dieser Wurf kann bis zu sieben Meter weit reichen. Zudem werden die Fische aufgrund des Mini-Köders nicht verletzt und sofort wieder freigelassen. Mein Mann ist aber der wahre Fliegenfisch-Meister. Durch ihn bin ich auch zu diesem Sport gekommen.

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