Das Wandern erdet mich!

Andreas Gabalier persönlich
Wussten Sie von Andreas Gabalier, dass …
… seine Mutter Huberta 2011 den Gedichtband „Herz leben“ veröffentlichte?
… er in seiner Jugend als Kellner jobbte?
… er sich bei seinen Auftritten ein Handtuch ins Kreuz stopft, um seine Lederhose vor Schweiß zu schützen?
… er nach wie vor in seiner kleinen Studentenwohnung in Graz wohnt?
… er sich seine Brusthaare trimmt?
… ihn Verkehrsstaus aus der Ruhe bringen?
… er Vanillekipferl liebt?
… er Hansi Hinterseer für den perfekten Schwiegersohn hält?

Wenn er die Hüften schwingt, seine Augenbrauen hebt und sein schönstes Lächeln zeigt, ist die Schwiegertochter genauso verzückt wie die Oma: Andreas Gabalier, auch gerne „Kernöl-Elvis“ genannt, revolutioniert seit rund zwei Jahren das Genre der Volksmusik. Oder besser, er revolutioniert die gesamte österreichische Musikwelt. Denn ob Schlager, Pop oder Rock’n’Roll – Andreas Gabalier ist überall zuhause. Und überall beliebt. Auszeichnungen, ausverkaufte Konzerte, kreischende Fans – der 27-jährige Grazer mit französischen Vorfahren ist am Zenith seines Erfolges angekommen.

Von der Flöte zur Gitarre. Aufgewachsen mit drei Geschwistern (u. a. „Dancing Star“ Willi) hat Gabalier schon früh seine Liebe zur Musik entdeckt – wenn auch nicht ganz freiwillig. Alle vier Gabalier-Kinder mussten ein Instrument lernen, beim kleinen Andreas war’s ganz klassisch die Flöte, bis das Klavier und in der Pubertät schließlich die Gitarre folgten. Auf ein bestimmtes Musikgenre wollte er sich schon damals nicht festlegen, hörte von Klassik über Rock, Musical und Hip Hop alles querbeet. Und Volksmusik? Das kam erst später. Aber eigentlich, das betont Gabalier immer wieder gerne, sei er ja kein „Volksmusikant“, sondern „Volks-Rock’n’Roller“. Also macht er eine Mischung aus Volks-, Rock- und Popmusik. „Ich wollte volkstümliche Elemente wie den Dialekt oder die Harmonika mit internationaler Musik verbinden“, wird der sympathische Steirer Jahre später in einem TV-Interview sagen. „Mir war’s ein großes Anliegen, die Volksmusik, die zum Teil sehr verschrien ist, wieder in ein positives Licht zu rücken.“

Nur Michael Jackson war besser. Das ist ihm gelungen. Sehr sogar. Über Umwege (Gabalier studierte kurze Zeit Rechtswissenschaften – „wegen der schönen Mäderl“, wie er grinsend zugibt) trat er 2009 beim Musikantenstadl auf, noch ohne Elvis-Tolle und weiß-rot-kariertem Stecktuch, dafür bereits mit Lederhose, nackten Wadln und seiner unverwechselbaren rauchig-tiefen Stimme. Bis zu diesem Zeitpunkt bastelte Gabalier daheim im Kellerstudio seine Lieder, machte daraus CDs und verkaufte sie übers Internet. Aber eigentlich ist es die große Bühne, für die er geboren ist: Dem Stadl-Publikum gefiel, was es hörte (und sah), beim darauffolgenden Grand Prix der Volksmusik belegte Gabalier auf Anhieb den zweiten Platz. Ab diesem Zeitpunkt gab es für ihn kein Halten mehr, in Österreich begann das Gabalier-Fieber. Seine Singles „I sing a Liad für di“ und „Sweet little Rehlein“ können Jung und Alt gleichermaßen auswendig mitträllern, seine Alben „Da komm ich her“, „Herzwerk“ und „Volks-Rock’n’Roller“ wurden allesamt mit Gold und Platin ausgezeichnet. Sensationelle 74 Wochen lang hielt sich „Herzwerk“ in den österreichischen Top 10 – geschlagen nur von Michael Jacksons „Thriller“ (77 Wochen). Mittlerweile ist auch Deutschland auf den talentierten Burschen aufmerksam geworden: Im März 2012 gewann Gabalier den renommierten Echo-Preis als bester Volksmusik-Künstler.

Da komm ich her. Sein Erfolgsgeheimnis? Klar, der Elvis-Stil gepaart mit rustikalem steirischen Charme kommt an. Aber da ist noch mehr. Gabalier singt über die Liebe, so wie wir sie uns alle wünschen: zärtlich, ewig, ein bisserl neckisch, voller Vertrauen, aber (fast) gänzlich ohne Kitsch. Und vor allem: Andreas Gabalier ist, wie er ist. Schon mit dem Titel seines erstens Albums „Da komm ich her“ machte er klar: Ich verstelle mich nicht, ich präsentiere mich Euch in all meiner Echtheit. Das ist sympathisch. Gabalier spricht nicht nur die Sprache der Jugend („I sing a Liad für di und dann fragst du mi / magst mit mir tanzn gehen / i glaub, i steh auf di“), er gibt auch viel von sich selbst preis. Erstaunlich offen spricht er über seinen Vater und seine jüngere Schwester, die beide vor wenigen Jahren den Freitod wählten. Die Gründe sind bis heute nicht bekannt. Mit seiner Musik, wie er selbst sagt, schaffte es Gabalier, über den schweren Verlust hinwegzukommen. Das Lied „Amoi seg’ ma uns wieder“ ist seinem Vater und seiner Schwester gewidmet.

Das Leben leben. Andreas Gabalier lässt also nicht nur kokettierend die Hüften kreisen, er präsentiert auch seine Seele auf einem Silbertablett und wird so zu einem von uns. Denn das ist es, was der Sänger will: kein abgehobener Star sein, sondern das lustige, stets für Überraschungen sorgende Leben genießen, mitten unter Leuten. Gabalier hat gelernt, wie wertvoll das Leben ist. „Schlafen gehen, das kann ich später auch“, sagt er grinsend. „Das Leben hat ja gerade erst angefangen.“ Kein Wunder, dass man den Buam mögen muss.

In GESÜNDER LEBEN spricht Andreas Gabalier über Erfolg, sein gutes Aussehen und seinen Bruder Willi.

GESÜNDER LEBEN: Was ist Ihr erster Gedanke am Morgen?
Andreas Gabalier: Warum läutet der Wecker so laut (lacht)? Aber ehrlich: Das weiß ich eigentlich gar nicht, weil in der Früh beginne ich den Tag sehr gemächlich, mache meine Liegestützen und freu mich auf den Tag.

GL: Sie haben es geschafft, viele junge Leute für Volksmusik zu begeistern. Was haben Sie richtig gemacht?
Gabalier: Das müssen Sie mein Publikum fragen. Ich freu mich bei jedem Auftritt aufs Neue, dass meine Musik den Menschen so gefällt.

GL: Sind Sie ein Revoluzzer?
Gabalier: Nein, ein Volks-Rock’n’Roller.

GL: Was inspiriert Sie?
Gabalier: Das Leben, die Natur …
Es ist sehr schwer, diese Frage zu beantworten. Es kann sein, dass ich durch den Wald gehe und mir eine Zeile, eine Melodie einfällt, die ich dann gleich aufs Handy spreche oder singe. Das ist aber nur ein Beispiel von vielen.

GL: Wie schafft man es, trotz des großen Erfolgs am Boden zu bleiben?
Gabalier: Durch die Familie und durch meine Spezln. Die würden mich, falls ich abheben sollte, schon auf den Boden zurückholen.

GL: Hat Ihr Erfolg auch etwas mit Ihrem guten Aussehen zu tun?
Gabalier: Auch das müssen Sie mein Publikum fragen (lacht). Dass die Menschen wieder mehr zur Tracht greifen, das gefällt mir, und wenn ich da der Auslöser war, freut mich das besonders.

GL: Wie wichtig ist Ihnen Ihr Aussehen?
Gabalier: Ich lege schon Wert auf ein gepflegtes Aussehen, was aber nicht bedeutet, dass ich mehr als eine Stunde im Badezimmer verbringe. Ich bin in 20 Minuten fertig, wie es sich für einen Volks-Rock’n’Roller gehört.

GL: Sie sind sehr trainiert – wie machen Sie das?
Gabalier: In der Früh mach ich immer meine Liegestützen. Das brauche ich, um auch munter zu werden. Im Winter hab ich immer die Ski im Auto, damit ich jederzeit die Möglichkeit habe, diesen Sport auszuüben.

GL: Gehen Sie immer noch wandern, wie Sie es früher getan haben?
Gabalier: Ja, es ist leider weniger geworden, aber eine Wanderung durch die Berge muss schon sein. Da kommt man auch wieder runter, das erdet und das brauch ich auch – ein bisschen Zeit nur für mich.

GL: Was essen Sie am liebsten?
Gabalier: Ein Schweinsbraten mit Knödel mindestens genauso gerne wie knackigen grünen Salat.

GL: Was bedeutet Liebe für Sie?
Gabalier: Liebe ist für mich für jemanden da zu sein, mit jemanden auf eine ganz spezielle Art verbunden zu sein.

GL: Sie haben Ihren Vater und Ihre Schwester verloren. Wie sind Sie mit diesem Verlust fertig geworden?
Gabalier: Wie viele andere auch, die einen geliebten Menschen verloren haben. Das Leben geht weiter und sicherlich hat mir auch meine Musik dabei geholfen. Natürlich gab es die Familie und die Freunde. Daher kam wahrscheinlich auch die Kraft, um das alles zu überstehen.

GL: Wer sind die wichtigsten Menschen in Ihrem Leben?
Gabalier: Da ich Menschen nicht in so Kategorien einteilen kann, will ich sagen, meine Familie. Allen voran meine Oma, weil sie so a Freud hat, was da gerade passiert. Die Menschen, auf die ich baue und auf die ich mich verlassen kann, wissen es.

GL: Seit „Dancing Stars“ ist auch Ihr Bruder Willi in Österreich bekannt …
Gabalier: Ich hab eine große Freude, dass mein Bruder Willi bei „Dancing Stars“ so einen Erfolg hat – und seine Tanzpartnerin Brigitte Kren ist auch eine ganz Liebe. Natürlich sind der Willi und ich uns ähnlich, in vielen Punkten – wie das halt bei Brüdern so ist.

Falls Sie Andreas Gabalier live erleben möchten:
Unter www.andreas-gabalier.at/liveauftritte finden Sie alle aktuellen Termine.

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