Das Theater mit dem Schlafengehen

Das darf nicht wahr sein: Mitten in der Nacht steht plötzlich Ihr Kleines neben Ihnen, hält den Bären in der Hand und will spielen. Und das, nachdem schon das Einschlafen ein einziges Theater war: Noch eine Geschichte vorlesen, Wasser holen, aufs Klo müssen, das Licht anmachen, die Türe offen lassen, noch einmal einen Schluck Wasser trinken, noch ein Gute-Nacht-Busserl. Dabei haben Sie schon ge-glaubt, dass das Schlaf-Problem nun endlich gelöst ist, nach einigen problemlosen Nächten.

Verständlich, dass Sie genervt sind. Aber: Ihr Kind „veranstaltet” das „Theater” beim Ein- und Durchschlafen nicht, um Sie zu ärgern. Ihr Kind hat Probleme, bei denen Sie ihm helfen können. Gerade im zweiten und dritten Lebensjahr spielt sich bei Kleinkindern vieles ab, was neue Schlafprobleme bringen kann. Sie entdecken die Selbstständigkeit, lösen sich ein wenig mehr von den Eltern. Das kann die Kleinen unsicher machen und ihnen Verlas-senheitsängste bereiten. Aber gerade das Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit ist für das Ein- und Durchschlafen so wichtig. Also zurück an den Start und an den elterlichen Rockzipfel!

Mit dem Alter ändern sich die Bedürfnisse des Kindes, aber es wird nicht unbedingt einfacher. Kleinen Babys vermittelt die Anwesenheit der Eltern viel Sicherheit. Mit zunehmendem Alter wird Ihr Kind selbstsicherer. Es ist wichtig, dass Sie Ihr Kind auf dem Weg in die Selbstständigkeit unterstützen. Geben Sie nicht nach und setzen Sie sich nicht so lange  ans Bett, bis das Kleine endlich einschläft, das ist leider nicht der richtige Weg. Die Herausforderung für Sie besteht darin, jene feine Mischung zu finden, die zwar Geborgenheit gibt, aber das Kind auch bei seinen kleinen Schritten in die Selbstständigkeit unterstützt. Kinder, die am Tag erleben, dass sie Vieles schon selbst machen können, trauen sich auch in der Nacht mehr zu. Sie können sich leichter selbst beruhigen und ohne Hilfe der Eltern weiterschlafen.

Vielen Kleinkindern erleichtert ein so genanntes „Übergangsobjekt” das Selbstständigwerden.Das kann eine Puppe, ein Stofftier, eine Schmusewindel oder Ähnliches sein, das sie immer und überall dabei haben wollen. Es hilft Ihnen, sich sicher und geboren zu fühlen, auch wenn Mama oder Papa gerade nicht greifbar sind.

Manchmal, wenn z.B. der Tag besonders aufregend war, brauchen aber auch die Größeren noch die Nähe der Eltern in der Nacht. Sie dürfen und sollen Ihr Kind dann ruhig zu sich ins Bett kommen lassen. Wenn Sie das partout nicht wollen, dann leistet eine Matratze neben Ihrem Bett auch gute Dienste.

Nichts mit Selbstständigwerden, Sicherheit und Geborgenheit zu tun hat es allerdings, wenn Ihr Kleines mitten in der Nacht putzmunter ist und spielen will. Spielen Sie nicht mit Ihrem Kind, es könnte sich daran gewöhnen. Ihr Kleines braucht jetzt einfach immer weniger Schlaf. Da hilft nur ein späteres Schlafengehen oder ein kürzerer Mittagsschlaf. Vielleicht müssen Sie Ihr Kind nach einer oder eineinhalb Stunden Mittagsschlaf wecken. Manche Kinder brauchen schon am Ende des zweiten Lebensjahres gar kein Mittagsschläfchen mehr. Übrigens, die Schlafdauer können Sie nicht bestimmen, die Zeit, zu der Schlafen gegangen wird, schon.

Auf alle Fälle hilfreich beim Ein- und Durchschlafen ist für die Kinder ein beruhigendes Abendritual, also ein immer gleicher Ablauf vor dem Schlafengehen. Verzichten Sie auf Tobespiele und Fernsehen. Entwickeln Sie gemeinsam mit Ihrem Partner/Ihrer Partnerin und Ihrem Kind eine kleine Zubettgehzeremonie, die für alle Beteiligten passt. Wichtig ist, dass sie von beiden Eltern oder auch anderen Betreuungspersonen durchgeführt werden kann. Versuchen Sie nicht jeden Tag an der filmreifen Szene Ihres Kleinkindes zu verzweifeln, sondern üben Sie wieder einmal Ihre  Geduld. Ihre kleine Schnecke fürchtet sich wirklich und braucht gaaaanz viel Liebhaben, damit das mit dem Schlafen gut funktioniert.

Tipps für Eltern

  • Schimpfen, drohen oder gar strafen sind bei Ein- und Durchschlafproblemen nicht angebracht. Ihr Kind hat Sorgen, bei deren Lösung Sie ihm helfen können.
  • Akzeptieren Sie den abgeschnuddelten Stoffhasen, die alte Windel, die Ihr Kind jetzt immer mit sich schleppt. Es hat sich, wissenschaftlich gesprochen, ein „Übergangsobjekt” ausgesucht, das ihm hilft, selbstständig zu werden. Machen Sie sich darüber nicht lustig, zeigen Sie Verständnis, wenn das alte Ding überall hin mitgenommen werden muss – und auch, dass es nicht gewaschen werden darf. Der vertraute Geruch ist für Ihr Kind nämlich sehr wichtig. Eine Abhilfe: Man kann das Stofftier, die Puppe oder die Windel im Wäschetrockner desinfizieren, ohne den Geruch zu zerstören.
  • Ob Ihr Kind die richtige Menge Schlaf bekommt, können Sie leicht feststellen: Ist es an der Umgebung interessiert und spielt es voller Vergnügen, dann hat es genug Schlaf. Bekommt es zu wenig Schlaf, wird es quengelig, lustlos beim Spielen und schläft manchmal unversehens ein. Wacht es in der Nacht oder sehr früh auf und ist putzmunter, liegt es einfach zu lange im Bett.
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