Das Geheimnis des langen Lebens

Weltweit gibt es derzeit nur 21 Menschen, die das 115. Lebensjahr überschritten haben. Doch in allen Industrienationen sind die über 85-Jährigen inzwischen die am schnellsten wachsende Bevölkerungsgruppe. Im Schnitt gewinnen wir pro Jahrzehnt 2,5 Lebensjahre dazu. Und das Schönste daran: Allen düsteren Prophezeiungen über die bald schon unfinanzierbare „Last der Alten“ zum Trotz, stellt sich heraus, dass die Alten heute nicht nur immer älter werden, sondern die zusätzlichen Jahre auch deutlich öfter gesund und aktiv wie nie zuvor verbringen. Weltweit suchen Wissenschaftler in der Lebensgeschichte – und zunehmend auch in den Genen – der Alten nach dem Geheimnis des langen Lebens.

35.400.000 Treffer wirft die Internet-Suchmaschine Google heute für den Suchbegriff „Anti-Aging“ aus. Von der Bierhefe bis zum Granatapfel, vom Knoblauch über das ganze Vita min-Alphabet bis hin zu Roten Rüben wurde allen möglichen Stoffen eine lebensverlängernde Wirkung nachgesagt. Keine dieser Mythen hat sich in wissenschaftlichen Studien – isoliert betrachtet –tatsächlich als wirksames Anti-Aging-Mittel identifizieren lassen. Im verständlichen, wenn auch unrealistischen Wunsch, ein einfaches Patentrezept im Kampf gegen das Altern präsentieren zu können, wird eine Ernährungslehre nach der anderen, ein noch gezielteres Bewegungsprogramm ums nächste erfunden. Die Botschaft, dass Bewegung, ganz allgemeingültig, immer schon der beste Jungbrunnen war, scheint Buchautoren und Illustrierten-Machern nicht verkaufskräftig genug. Lieber wird einmal nach der „Strunz- Methode gelaufen“, dann wieder werden die Nordic-Walking-Stöcke zum Stein der Weisen erklärt. Wer erklären will, dass allein ein abwechslungsreicher, mit Lust, aber maßvoll gestalteter Speiseplan viele der heutigen Zivilisationskrankheiten aus der Welt schaffen könnte, geht im medialen Hype aller möglichen Wunderkuren und -diäten fast unter. Dabei ist in keiner einzigen Biografie über Menschen, die 100 und älter wurden, auch nur ein Hinweis zu finden, dass sie ihr langes Leben einer „Wunderwaffe“, einem bestimmten Lebensmittel oder einer speziellen Ernährungslehre verdankten. Was an Gemeinsamkeiten zu finden ist, klingt wenig spektakulär: Diese Menschen waren schlank, ihr ganzes Leben lang in Bewegung, pflegten ein reges Sozialleben und blickten meist optimistisch in die Zukunft.

QUELLE & BUCHTIPP:
Wer gesund stirbt, hat mehr vom Leben, Siegfried Meryn und Christian Skalnik, Ecowin Verlag, € 19,95

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