Das bekommt mir nicht!

 

Nahrungsmittelunverträglichkeiten nehmen kontinuierlich zu. – Das könnte man zumindest meinen, wenn man einen Blick in die Regale heimischer Supermarktketten wirft. „Es sind mir allerdings keine wissenschaftlichen Studien bekannt, dass die Zahl an Nahrungsmittelunverträglichkeiten in den letzten Jahren tatsächlich so stark gestiegen ist“, betont Allergieforscher Univ.- Prof. Rudolf Valenta vom Institut für Pathophysiologie und Allergieforschung der MedUni Wien. „Viele Menschen vermuten heutzutage, an einer Nahrungsmittelunverträglichkeit zu leiden. Oftmals gibt es für diese Vermutungen aber keine fundierten Anhaltspunkte, also keine ärztlich bestätigte Diagnose.“ Vielmehr lassen einen die dafür oft typischen Symptome wie Verdauungsbeschwerden, Abgeschlagenheit, Hautausschläge oder Kopf- und Gelenkschmerzen trügerische Rückschlüsse ziehen. Es heißt dann schnell einmal: „Milch bekommt mir nicht und Weizen vertrage ich nicht.“ Doch – Hand aufs Herz: Wen haben denn nicht schon einmal ein Blähbauch oder lang anhaltende Müdigkeit geplagt? „Die Symptomatik allein reicht für die Diagnose einer Nahrungsmittelunverträglichkeit nicht aus“, so Valenta, der bei Verdachtsmomenten einen Facharztbesuch empfiehlt. Denn: Mediziner können bestimmte Lebensmittelunverträglichkeiten mithilfe von Labortests und Untersuchungen ermitteln bzw. ausschließen. Dazu zählen:

  • IgE-vermittelte Nahrungsmittelallergie, bei der das Immunsystem gegen bestimmte Inhaltsstoffe (z. B. Nüsse, Weizen, Kiwis, Milch etc.) fälschlicherweise IgE-Antikörper zur Bekämpfung der an sich harmlosen Substanzen bildet und überreagiert. Hautausschläge, Schwellungen im Gesicht, Durchfälle etc. sind mögliche Folgen. Nahrungsmittelallergien können dank Multiallergentests entlarvt werden. Davon betroffen sind ca. 1 bis 3 Prozent aller Menschen.
  • Nahrungsmittelintoleranz, bei der Lebensmittelbestandteile aufgrund eines Enzymmangels nicht abgebaut werden können (z. B. Laktose- oder Fruktoseintoleranz).
  • Zöliakie – eine zellulär vermittelte Erkrankung mit einer Autoimmunkomponente. Betroffene vertragen keine Lebensmittel, die Gluten, also eine bestimmte Getreide-Protein-Mischung, enthalten (nicht zu verwechseln mit der Weizenallergie!). Der Glutenverzehr greift den Dünndarm an und zerstört dessen Schleimhaut. Zöliakie kann mit Bluttests und gegebenenfalls mittels Endoskopie bestätigt werden. Etwa 1 von 300 Personen leidet weltweit an der Erkrankung.

 

Was tun? Doch: Was tun, wenn man weder einer Allergie, einer Intoleranz oder der Zöliakie auf die Schliche kommt und man sich trotzdem nach dem Essen nicht wohlfühlt? „Wenn ein ungesunder Lebensstil – sprich: unausgewogene Ernährung, wenig Schlaf oder Stress – als Ursache ausgeschlossen werden kann, liegt es unter Umständen an einer sogenannten nicht-zöliakischen Glutensensitivität“, erläutert Valenta. Obwohl die Symptome häufig denen der Zöliakie ähneln, handelt es sich hier um ein anderes klinisches Gesamtbild. Aktuelle Studien deuten darauf hin, dass bei der Glutensensitivität ein anderer Mechanismus des Immunsystems zur Wirkung kommt: die angeborene, im Gegensatz zur langfristig erworbenen, Immunantwort, die bei der Zöliakie auftritt. Sie führt nicht zu einer Entzündung der Darmschleimhaut, sondern weist ein breites Spektrum an Symptomen auf: Durchfall, Verstopfung, Krämpfe, Bauchschmerzen, Anämie, Taubheitsgefühle in den Gliedmaßen, Osteoporose – mitunter gesellen sich auch Depressionen und Verhaltensweisen, die dem Aufmerksamkeitsdefizit- Hyperaktivitätssyndrom gleichen, dazu.

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