Dankbarkeit macht glücklich

Sie ist eines der bekanntesten – und beliebtesten – Gesichter des ORF: Barbara Stöckl wird für ihre einfühlsamen Interviews, ihren unerschütterlichen Willen, anderen zu helfen, und ihr Talent, den TV-Sehern das Gefühl zu geben, dass es auch hinter jedem noch so langen und dunklen Tunnel einen Lichtblick gibt, geschätzt. Stöckl macht keinen Journalismus um der Sensation willen. Sie macht Journalismus, weil sie Menschen helfen, die Welt ein Stück besser machen möchte. Nicht überraschend also, dass sich ihre Sendung „help tv“den sozialen Aspekten unserer Gesellschaft widmet und seit 18 (!) Jahren ein Publikumsrenner ist. In der neuen Talkshow „Stöckl.“ plaudert sie mit ihren Gästen über die wichtigen und manchmal auch unwichtigen Dinge des Lebens in angenehm unaufgeregter Atmosphäre. Seit Kurzem hat sie auch ihr drittes Buch auf dem Markt: „Wofür soll ich dankbar sein?“ heißt es und handelt von … ganz genau: Dankbarkeit. Wie werde ich zu einem dankbaren – und somit zufriedeneren – Menschen? Stöckl sprach für das Buch nicht nur mit ganz unterschiedlichen Persönlichkeiten wie z. B. einem Philosophen, einer Holocaust-Zeitzeugin, einem Jesuitenpater oder dem Künstler André Heller, sondern gibt auch persönliche Einblicke in ihr Leben. So schildert sie von der schweren Krankheit ihres Vaters und wie sie diesen Lebensabschnitt meisterte. Nachdenkliche Worte also, die Stöckl in ihrem Buch anschlägt. In GESÜNDER LEBEN spricht die dreifache Romy-Preisträgerin über Dankbarkeit, Schicksalsschläge und das Glücklichsein.

GESÜNDER LEBEN: Ihr Buch heißt „Wofür soll ich dankbar sein?“. Wofür sind denn Sie dankbar?
Barbara Stöckl: Ich bin für sehr vieles dankbar in meinem Leben, für viele Chancen und Herausforderungen, für meine Freunde und meine Familie und dafür, dass ich gesund bin. Aber ganz oft sind es auch sehr „kleine“ Dinge im Leben: der Flieder, der gerade draußen blüht, das Glas Wasser mit Zitronensaft, das mir mein Kollege gebracht hat, und vieles mehr! Ich versuche einfach, meinen Blick immer wieder auf die Dinge zu richten, die DA sind, und nicht darauf, was mir alles fehlt und was ich beklage.

GL: Warum haben Sie das Thema Dankbarkeit als Buchthema gewählt? Die moderne Gesellschaft ist nicht gerade für ihre Dankbarkeit bekannt …
Stöckl: Es ist tatsächlich kein „moderner“ Begriff – aber einer, der an Bedeutung gewinnt. Das merke ich auch an den positiven Reaktionen, Briefen, Mails und lieben Worten der Anerkennung.  Es kommt jeder in seinem Leben in Situationen, in denen er sich folgende Fragen stellt: „Was ist selbstverständlich?“ „Was steht mir zu?“. Und genau dieses Sensibel-Bleiben für Nicht-Selbstverständlichkeiten ist die Grundlage für eine Haltung der Dankbarkeit.

GL: Ist Dankbarkeit erlernbar?
Stöckl: Es gibt verschiedene Wege dorthin, zum Beispiel  Reduktion oder ein paar Fastentage einlegen. Dann weiß ich wieder, wie wunderbar Essen schmeckt. Oder aufs Handy verzichten, dann wird der Wert von Kommunikation und Austausch deutlich. Ein weiterer Weg ist der Blick in die Natur, dort gibt es so viele Situationen und Bilder, die einen dankbar sein lassen! Die Stille ist auch ein möglicher Weg. Der bitterste Weg aber sind Lebenskrisen, Krankheiten, Trennungen, Verluste und Schicksalsschläge.

GL: Sie haben in einem Interview einmal gesagt: „Die schlimmsten Momente im Leben sind vielleicht auch die schönsten, weil sie das Potenzial in sich tragen, dich reich zu machen.“ Was meinten Sie damit?
Stöckl: Ich weiß auch nicht, woran es liegt, aber rückblickend hat man oft das Gefühl, dass solche Situationen für den Lebensweg sehr wichtig waren und einen zu dem werden ließen, der man heute ist. Wenn man bereit ist zu erkennen, dass sich selbst in den schwierigsten Momenten Möglichkeiten auftun, dann bringt einen das oft ein Stück weiter. Aber natürlich ist das immer wieder ein sehr schwerer Weg und hilft auch nicht bei allen schmerzvollen Erfahrungen! Es geht im Leben nicht nur darum, glücklich zu sein. Auch Leid anzunehmen, zu tragen und zu ertragen heißt Leben!

GL: Wie gelingt es, bei Krankheit oder Trennungen immer noch dankbar zu sein?
Stöckl: Das ist zweifellos viel schwerer, keine Frage. Solche Situationen lassen sehr tief erkennen, wie wichtig Gesundheit, Beziehung oder liebe Menschen sind. Es steht aber niemandem zu, in solchen Situationen zu raten oder gar zu sagen: „Sei dankbar für diese Erfahrung!“ Aber aus einem selbst heraus können auch solche Krisen eine Gelegenheit sein, manches zu erkennen und klarer zu sehen – also auch ein Weg zur Dankbarkeit.

GL: Gibt es etwas, das Sie beim Schreiben Ihres Buches gelernt haben? Schließlich haben Sie mit vielen Personen mit unterschiedlichem Hintergrund gesprochen …
Stöckl: Es ist auch für mich jeden Tag aufs Neue eine schwierige Übung, dankbar zu sein, das geht nicht einfach so. Aber ich merke, dass es eine gute Übung ist. Ich kann die anderen um mich herum nicht ändern, aber ich kann entscheiden, worauf ich den Blick richte, was ich wichtig nehme. Das ist ganz allein meine Entscheidung!

GL: Sie und Ihre Schwester Claudia sind für ihr soziales En-gagement bekannt. Woher kommt diese soziale Ader der Familie Stöckl?
Stöckl: Vielleicht liegt es unter anderem daran, dass wir fünf Geschwister sind, da bekommt man Werte wie „Teilen“, „Geben“ und „Mitfühlen“ sehr unmittelbar mit auf den Weg. Aber natürlich ist es auch Charaktersache. Wir haben beide beruflich die Möglichkeit, sehr interessanten Menschen zu begegnen, das macht offen und neugierig für wichtige Fragen des Mensch-Seins – und damit auch für Lebenssituationen anderer Menschen. Dieses Wissen, dass es auch ganz anders sein könnte, führt einen unweigerlich zur Dankbarkeit.

GL: Was ist der richtige Weg zum Glücklichsein?
Stöckl: Den muss wohl jeder für sich selbst herausfinden, und es steht mir nicht zu, da Tipps zu geben! Aber ich glaube schon, dass Dankbarkeit eine Grundlage dazu ist. Das sagt jedenfalls Bruder Davis Steindl-Rast, ein Benediktinermönch – und der ist ein sehr kluger Mann!

GL: Inwieweit, Ihrer Meinung nach, tragen Sport und gesunde Ernährung zum Glücklichsein bei?
Stöckl: Für mich sind das sehr wichtige Pfeiler für mein Wohlbefinden – und ständige Herausforderung! Ich versuche mich halbwegs gesund zu ernähren. Obst und Gemüse esse ich einfach sehr gerne, und ich bin fasziniert von tollen Zubereitungsformen – die ich selbst leider nicht beherrsche. (lacht) Mein Problem bleibt alles Süße; ich liebe es sehr und Zucker tut mir gar nicht gut. Aber darauf zu verzichten ist sehr schwierig, und hin und wieder zu gpenießen ist ja auch kein Problem – nur bleibt es halt nicht nur beim „hin und wieder“! (schmunzelt)

GL: Sie arbeiten sehr viel. Wie können Sie sich entspannen?
Stöckl: Ich gehe gerne laufen und meine Pilates-Termine stehen fest im Kalender. Das sind fixe Auszeiten, die ich mir genauso gönne wie hin und wieder eine gute Massage, einen Spaziergang oder eine Bergtour.

 

„Wofür soll ich dankbar sein?“
Ich bin meines Glückes Schmied. Ich habe es mir selbst erarbeitet. Ich habe ein Recht darauf. Es steht mir zu. Viele Menschen haben in den letzten Jahren schmerzlich bemerkt, wohin egoistisches Denken führt. In ihrem Buch „Wofür soll ich dankbar sein?“ zeigt ORF-Star Barbara Stöckl auf, wieso in den letzten Jahren so vieles zusammengebrochen ist und wieso nur die wahren Werte erfüllend sind.
Ecowin Verlag, 304 Seiten, 22,50 Euro

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