Da oder dort schlafen

Vielleicht ein Satz, den Sie auch schon gehört haben. Aber geht das so einfach, dass ein Jugendlicher woanders übernachtet? Rechtlich ist die Lage so, dass der Elternteil, dem die Pflege und Erziehung zusteht, das Recht hat den Aufenthalt des Kindes bzw. Jugendlichen zu bestimmen. Daher können bei ehelichen Kindern und Jugendlichen die Eltern den Aufenthalt bestimmen, bei unehelichen Kindern und Jugendlichen die Mutter. Die Erziehungsberechtigten können somit auch erlauben oder nicht erlauben, dass das Kind woanders übernachtet. Ob das Kind bzw. der Jugendliche ein mündiger (14- bis 18-Jähriger) oder aber ein unmündiger Minderjähriger (unter 14 Jahren) ist, spielt dabei keine Rolle.

Warum aber haben die Eltern überhaupt das Recht, den Aufenthalt zu bestimmen?

Um das den Erziehungsberechtigten zustehende Erziehungsrecht sowie die eigentlichen Erziehungshandlungen überhaupt ermöglichen zu können, ist es notwendig, dass sich Kinder bzw. Jugendliche auch in der Nähe der Erziehungsberechtigten aufhalten, daher haben sie auch das Recht den Aufenthalt zu bestimmen. Allerdings ist das Aufenthaltsbestimmungsrecht nicht uneingeschränkt: Voraussetzung ist, dass Pflege- und Erziehungsmaßnahmen notwendig und möglich sind.

„Sag´, Mama, du hast doch eh nichts dagegen, wenn mein Freund bei mir schläft …“.

Ein Satz, der ebenfalls nicht gänzlich unbekannt sein dürfte. Was können die Erziehungsberechtigten in diesem Fall machen – können sie auch über den Aufenthalt des Freundes bestimmen? Nein, dies natürlich nicht, weil ihnen nicht das Erziehungsrecht über den Freund zusteht. Trotzdem muss man sich mit der Tatsache, dass der Freund des Kindes im eigenen Haus übernachtet, nicht so einfach abfinden: Denn wer in der eigenen Wohnung übernachtet, bestimmt noch immer der Wohnungseigentümer bzw. Hauptmieter. Einen Zwang, jeden aufnehmen zu müssen, der in der Wohnung übernachten will, gibt es nicht.

Zusammenfassend kann daher gesagt werden, dass das Schlafen des eigenen Kindes außer Haus dann möglich ist, wenn die Erziehungsberechtigten damit einverstanden sind und auch derjenige, in dessen Wohnung das Kind übernachten will, dem zustimmt. Umgekehrt ist das Übernachten von fremden Kindern in der eigenen Wohnung möglich, wenn man nichts dagegen hat und zudem die Erziehungsberechtigten des fremden Kindes damit einverstanden sind. Ein Nein zum Übernachten außer Haus ist auch möglich, wenn die Erziehungsberechtigten dies aus erzieherischen Gründen für notwendig halten oder aber der Wohnungsinhaber dies nicht will.

Autor: Mag. Hermann Kretschmer, Jurist

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