Cholesterin: Fett im Blut

Hören wir das Wort „Cholesterin“ dann assoziieren die meisten von uns sofort Negatives. Und tatsächlich: In Bezug auf Atherosklerose, umgangssprachlich auch Arterienverkalkung oder Arterienverhärtung genannt, gilt Cholesterin als der Übeltäter schlechthin. Dabei ist dieser fettähnliche Stoff an sich nicht schlecht, vielmehr benötigen wir ihn. „Das Cholesterin hat die Aufgabe, die Zellmembran dichtzumachen. Der innere Teil der Körperzellen unterscheidet sich nämlich ganz wesentlich vom äußeren Bereich, und daher dürfen nur bestimmte Moleküle durch die Zellmembran gelangen“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Thomas Stulnig, Facharzt für Innere Medizin in Wien.

Etwa die Hälfte des Cholesterins, das sich im menschlichen Organismus befindet, wird im Körper selbst produziert, und zwar vorwiegend in der Leber. Die andere Hälfte kommt aus der Nahrung, wobei ausschließlich tierische Lebensmittel Cholesterin enthalten. Für die Bedeutung als Risikofaktor von Atherosklerose ist allerdings weniger der Gesamtwert ausschlaggebend als vielmehr der Anteil an LDL- und HDL-Cholesterin.

Auf die Verpackung kommt es an. Damit das fettlösliche Cholesterin in dem zum größten Teil aus Wasser bestehenden Blut zu den Körperzellen transportiert werden kann, muss es zusammen mit sogenannten Detergenzien und Eiweißmolekülen in Fetttröpfchen verpackt werden. Dies sind sogenannte Lipoproteine, die entsprechend ihrer Größe bzw. Dichte in verschiedene Gruppen eingeteilt werden. Die beiden wichtigsten Lipoproteine sind LDL und HDL – und genau hier entscheidet sich, ob Cholesterin dem Körper schadet oder nicht. So ist LDL (Low Density Lipoprotein) das leichte Fetttröpfchen und HDL (High Density Lipoprotein) das schwere Lipoprotein. Nichtsdestotrotz wird sowohl die eine als auch die andere Verpackung benötigt. Vereinfacht gesagt, transportiert nämlich LDL das Cholesterin von der Leber in die Körperzellen. Nach getaner Arbeit sammelt HDL das überschüssige Cholesterin wieder ein und transportiert es zurück in die Leber, wo es schließlich neu verpackt und ausgeschieden wird. Erfolgt dieser Abtransport nicht oder in zu geringem Ausmaß, so lagert sich Cholesterin in den Gefäßwänden ab, vermindert den Blutfluss und es kommt zur Verstopfung der Gefäße, der sogenannten Atherosklerose. „Als klinische Ereignisse zeigen sich in der Folge vor allem Herzinfarkt, Schlaganfall und Durchblutungsstörungen in den Beinen“, warnt Stulnig, räumt jedoch sogleich ein: „Es ist noch nicht zu spät, wenn ein zu hoher Cholesterinwert festgestellt wird.“

Die Mischung macht’s. Prinzipiell gilt: Je niedriger der LDL-Wert und je höher der HDL-Wert, desto besser. Doch das allein reicht nicht aus, um Cholesterin die Stempel „gut“ oder „böse“ aufzudrücken. Stulnig: „Manche Menschen verpacken sehr viel in schlechtes Cholesterin, andere weniger. Daher muss also immer der individuelle Stoffwechsel betrachtet und insbesondere das jeweilige Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen genau angeschaut werden.“ Natürlich macht es Sinn, einen gesunden Lebensstil zu pflegen, nicht zu rauchen und sich körperlich zu betätigen, wodurch übrigens der HDL-Wert steigt. Ebenso sei ein sparsamer Umgang mit tierischen Fetten empfohlen, und etwa Fleisch, Wurst, sehr fettreiche Milchprodukte und Eidotter sollten nur in geringen Maßen konsumiert werden. Wobei sich gerade bei Letzterem zeigt, dass es in Bezug auf Cholesterin nicht nur schwarz und weiß gibt, wie Internist Stulnig erklärt: „Ein Eidotter hat zwar mehr Cholesterin, als für die tägliche Zufuhr empfohlen wird. Trotzdem kann man nicht sagen: Eier sind schlecht, da es wiederum auf den individuellen Stoffwechsel ankommt, also wie das Cholesterin schlussendlich vom Körper verpackt wird.“

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