Burn-out bei Kindern

Mittlerweile leidet – laut Arbeitsgemeinschaft für Präventivpsychologie (APP) – sogar schon jedes dritte österreichische Schulkind über zehn Jahre massiv unter Stress. Rund 60.000 Schülern droht bereits das Burn-out, weitere 150.000 sind stark belastet. „Leistungsdruck und ein voller Terminkalender bringen auch immer mehr Kinder und Jugendliche an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Oft gelingt es den Schülern nicht, den hohen Anforderungen gerecht zu werden“, so Dr. Brigitte Bösenkopf, APP-Generalsekretärin.

Anpassungsstörungen. Kinder- und Jugendpsychiater sprechen lieber von „Erschöpfungszuständen“ bzw. „Anpassungsstörungen“ und vermeiden den Burn-out-Begriff. „Von ,ausgebrannten Kindern‘ zu sprechen halte ich für unklug“, so Prim. Dr. Werner Leixnering, Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie am Linzer Wagner-Jauregg Spital. „Doch die Alarmglocken sollten auf jeden Fall läuten, wenn unerklärliche Leistungsverschlechterungen in der Schule oder emotionale Veränderungen wie z. B. Angstzustände auftreten.“ Oftmals handelt es sich um Kinder, die dazu neigen, gegenüber ihren anspruchsvollen Müttern und Vätern zu rebellieren. Aber nicht nur die genetische Neigung, auch das soziale Umfeld spielt eine Rolle. „Wenn Belastungen in der Arbeitswelt, zu wenig Geld oder Erkrankungen in der Familie vorherrschen und Kinder weiteren Belastungen ausgesetzt sind, können dort leichter Stresssymptome entstehen“, erklärt Prim. Univ.-Prof. Dr. Leonhard Thun-Hohenstein, Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Christian-Doppler-Klinik in Salzburg.

Früherkennung. Früh zeigen sich bereits die ersten Symptome für Überbelastung. „Der Weg hin zum Burn-out passiert stufenweise. Zu Beginn fallen die Schüler durch erhöhte Leistungsbereitschaft auf. Sie wollen sich beweisen und übernehmen immer mehr Aufgaben“, weiß man bei der APP. Dann aber folgt der Schritt in die Gegenrichtung: „Psychosomatische Beschwerden wie Kopf-, Bauch- oder Rückenschmerzen häufen sich. Kein Wunder – wenn sich ein Kind im wahrsten Sinn des Wortes ständig den Kopf zerbricht, schmerzt das“, betont Univ.-Prof. Dr. Max Friedrich, Vorstand der Wiener Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie. „Auch Schlafstörungen sind ein Stressindikator. Wer gehirnmäßig stark überreizt ist, kann nicht loslassen und daher nicht einschlafen.“ Weitere Alarmsignale sind zunehmende Gereiztheit, Aggressivität, Abkapselung, aber auch Essstörungen oder selbstverletzende Handlungen (z. B. Ritzen).

Kommunikation. „Es geht zunächst darum, sich als Elternteil mit dem Kind auseinanderzusetzen und für eine spannungsfreie Atmosphäre, in der über alles geredet werden kann, zu sorgen“, so Leixnering. Und Friedrich ergänzt: „Erziehung heißt Dialog. Kindern muss erlaubt werden, ihre eigenen Ziele und Wünsche auszuformulieren. Außerdem ist es wichtig, ihnen ein hohes Maß an Selbstbestätigung zuteilwerden zu lassen.“ Erst in einem nächsten Schritt sollte man sich Gedanken darüber machen, einen Psychotherapeuten, Psychiater oder klinischen Psychologen aufzusuchen.  „Es geht um eine Psychoedukation der gesamten Familie und darum, wie man zu einem entspannten Familienleben beiträgt bzw. wie das Kind lernen kann, sich selbst zu steuern“, so Thun-Hohenstein.

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