Bringt noch immer der Klapperstorch die Babies?

Den „richtigen Zeitpunkt“ für die Aufklärung gibt es nicht!
Sexualerziehung beginnt schon direkt nach der Geburt. Auch der Säugling ist ein sexuell empfindendes Wesen. Das ist natürlich eine andere Sexualität als bei Erwachsenen, aber die Kinder wollen sich und ihren Körper entdecken, das ist richtig und wichtig. Durch den engen körperlichen Kontakt mit den vertrauten Bezugspersonen entwickeln Kinder ein ausgeprägtes Körpergefühl.

Sobald die Kinder sprechen können, wollen sie wissen, wie die verschiedenen Körperteile heißen. Unsere Empfehlung lautet: Geben Sie Ihrem jungen Kind eine korrekte Antwort, sprechen Sie von Penis und Scheide und verzichten Sie auf Ausdrücke wie „Spatzerl“ , „Schlitzerl“ oder andere in der Familie gebräuchliche Bezeichnungen.

„Mama, wie kommt das Baby in den Bauch?“
Solche Fragen werden von Kleinkindern häufig gestellt und manchmal auch in Situationen, wo es den Eltern gar nicht so leicht fällt, mit ihren Kindern darüber zu reden. Eine Mutter berichtet: „Als mir Theresa diese Frage ganz laut in der U-Bahn stellte und ich bemerkte, wie interessiert auch die anderen Fahrgäste an meiner Antwort waren, kam ich ganz schön ins Schwitzen. Ich habe mich dann mit einer ganz kurzen Antwort beholfen und gesagt: Weil es ein Papa hineingemacht hat. Theresa war fürs erste zufrieden und wir konnten unsere Fahrt fortsetzen.“ Würden Sie auch so reagieren oder eine längere, ausführlichere Antwort parat haben? Jüngere Kinder sind in der Regel dann mit kurzen Antworten zufrieden, wenn sie wissen, dass sie immer wieder fragen dürfen – so lange, bis sie sich eben auskennen. Kleinkinder wollen sich mit ihren Fragen die Welt mit allem, was dazu gehört, erschließen und dabei bleibt die Sexualität nicht ausgespart.

Kann ein gutes Bilderbuch helfen?
Zum Thema Aufklärung werden für jedes Alter viele verschiedene Bilderbücher bzw. Sachbücher im einschlägigen Buchhandel angeboten. Mit dem Kauf eines Buches ist es aber nicht getan. Darum sollten Sie eine sorgfältige Auswahl treffen. Das Bilderbuch kann für Ihr Gespräch mit dem Kind nur dann hilfreich sein, wenn Sie selbst beim Anschauen der Bilder und beim Vorlesen des Textes keine Peinlichkeit verspüren. Sie müssen damit rechnen, dass Ihr Kind immer wieder darauf zurückkommt und genau dieses Buch oft anschauen will und neue Fragen stellt. Kein Problem, wenn Sie locker und entspannt leiben können.

Gib Küsschen? Bloß nicht!
Wie ein Kind mit seiner Körperlichkeit umgeht, wird entscheidend von der Erziehung geprägt. Immer wieder stellen Eltern die besorget Frage, wie sie ihr Kind vor sexuellen Übergriffen schützen können. Aufgeklärte, selbstbewusste Kinder, die sich auch deutlich „Nein“ sagen trauen sind unserer Erfahrung nach weit weniger gefährdet, als verschüchterte, verschreckte Wesen, die gelernt haben, dass sie den Erwachsenen immer bedingungslos zu folgen haben. Eine für Kinder unangenehme Situation, die sich allerorts wiederholt und auf den ersten Anschein vielleicht ganz harmlos wirkt, ergibt sich, wenn sie genötigt werden, Küsschen zu geben und zu empfangen. Oma und Opa, die Tante, der Onkel kommen zu Besuch und erwarten vom Kind einen Kuss. Das Kind will nicht. Die Folge: die Erwachsenen sind traurig, verbreiten ein schlechtes Gewissen, oder rücken das Mitbringsel nicht heraus. Auch die quasi Fremden, die den Nachwuchs „soo süß“ finden, dass sie ihn einmal schnell streicheln müssen, setzen sich über alle sozialen Regeln hinweg. Psychologen sehen hier eine Gefahr: Kinder die sich häufig Berührungen gefallen lassen müssen, die sie nicht wollen, bekommen den Eindruck, dass sie jeder anfassen darf. Wenn sie sich wehren, wird’s unangenehm. Genau das ist in einer Gefahrensituation aber fatal.

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