Böse Medien gibt es nicht

Eine Welt ohne Telefon, Waschmaschine und Flugzeug: schwer vorstellbar? Genauso geht es 10- bis 15jährigen mit Handys, Fernsehen und Computer. Sie sind damit aufgewachsen, diese Dinge sind für sie selbstverständlich.

Flora besucht die vierte Klasse Gymnasium. Für ihre Hausaufgaben zieht sie regelmäßig Quellen aus dem Internet heran. Wenn sie online ist, chattet sie zwischendurch mit Freundinnen, lädt Musik auf ihren IPod, sieht auf Facebook nach, was Bekannte gerade machen und liest ihren Lieblings-Weblog. Ihre Mutter, die in ihrem Bürojob ebenfalls online arbeitet, schüttelt nur den Kopf: „Ich habe gedacht, dass ich eine Ahnung vom Internet habe, aber es gibt ständig Neues, das man offenbar kennen muss.“ Flora meint: „Interessiert es dich? Ich kann dir das schon erklären!“

Das World Wide Web ist ein zweites Zuhause für die meisten Jugendlichen. Da sie von klein auf an die Möglichkeiten dieses Mediums gewöhnt sind, haben sie ein anderes Verständnis von Identität und Privatsphäre als ihre Eltern. In Windeseile erstellen, ändern und löschen sie ihre „Profile“, ihre Selbstdarstellung, in Online-Netzwerken. Floras Mutter lässt sich von ihrer Tochter durch die virtuelle Welt führen. „Hier ist mein Facebook- Profil, ich habe 56 Freunde, siehst du?“ – „Was, die kennst du alle?“ – „Nein, viele sind aus meiner Schule, aber manche kenne ich nicht“, gibt Flora zu.

Daraus entwickelt sich zwischen den beiden ein Gespräch über Sicherheit im Internet. Persönliche Informationen sollten nur mit Vorsicht preisgegeben werden. „Deine Spuren im Internet kannst du nicht mehr löschen“, warnt Floras Mutter. Unvorteilhafte Fotos, zweifelhafte Kommentare, das alles kann einem später – etwa bei der Jobsuche – ungewollt wieder begegnen. (Übrigens könnten ja auch die Eltern diese Bilder und Texte finden …) Flora verspricht, unter keinen Umständen Adresse und Telefonnummer anzugeben und Fragen von Fremden nicht zu beantworten.

Nicht nur in Netzwerken, auch beim Chatten lauern Risiken. Es ist sinnvoll, Kinder bis12 Jahre nur in Anwesenheit Erwachsener chatten zu lassen. Ältere Jugendliche müssen vorher vereinbarte Regeln einhalten. Treffen mit Internet-Kontakten dürfen nur mit Ihrer Erlaubnis und in Begleitung eines Erwachsenen, am besten an einem öffentlichen Platz stattfinden. Verbote haben wenig Sinn und führen nur zum heimlichen Surfen – und schlimmstenfalls dazu, dass Ihr Kind sich nicht traut, von unangenehmen Kontakten zu erzählen. Bleiben Sie lieber ein verständnisvoller Ansprechpartner.

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