Bleiben Sie Aktiv im Allter

Wir werden von Jahr zu Jahr älter – nicht nur im wahrsten Sinne des Wortes, sondern auch statistisch betrachtet. So liegt die Lebenserwartung der Österreicher bei mittlerweile 80,7 Jahren. Frauen werden im Schnitt 83,3 Jahre alt, was im Zehnjahresvergleich einem Anstieg von 1,8 Jahren entspricht. Männer haben mit 78 Jahren zwar eine etwas kürzere Lebenserwartung, jedoch in den letzten zehn Jahren 2,4 Jahre „dazugewonnen“. Damit wir diesen Gewinn aber tatsächlich auskosten können und bis ins hohe Alter körperlich wie geistig fit sind, gilt: Pflegen Sie einen aktiven und gesunden Lebensstil.

Älterwerden in der Gemeinde

Die Marktgemeinde Bad Zell, das Diakoniewerk Oberösterreich und der Sozialhilfeverband des Bezirks Freistadt entwickeln gemeinsam ein Quartierskonzept für das Älterwerden in der Gemeinde. „Altern ist ein gesamtgesellschaftlicher Prozess“, sagt Dr. Daniela Palk, Leiterin des Kompetenzmanagements Seniorenarbeit des Diakoniewerks. Der demografische Wandel verlange neue Herangehensweisen und Lösungen sowie Kooperation und Partizipation. „Daher lehnen wir die Errichtung und den Betrieb isolierter Pflegeheime ab und setzen uns für eine zunehmende Verschränkung der bestehenden Angebote ein – mit ausdrücklich gewollter Bürgerbeteiligung.“ Derzeit entsteht in Bad Zell ein Haus für Senioren mit 48 Plätzen, aufgeteilt auf vier Hausgemeinschaften, und in unmittelbarer Nähe zum Kindergarten. Fakt ist, so Palk: „Quartiersentwicklung bedeutet nicht, einzelne Leistungen zu verbessern, sondern den Sozialraum an die Bedürfnisse der älteren Menschen anzupassen.“

Fit wie ein „alter Turnschuh“. In körperlicher Hinsicht sind es vor allem drei Punkte, die ausschlaggebend dafür sein können, ob wir einen „goldenen Herbst des Lebens“ vor uns haben. Erstens: Bewegung – und zwar durchgehend, altersadäquat und wenn nötig unter Anleitung. „Es sollte sich um eine Kombination zwischen Ausdauer- und Widerstandstraining, Mobilität und Stabilität handeln, weil dadurch das Herz-Kreislauf-System als auch Skelett und Muskulatur trainiert werden“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Regina Roller-Wirnsberger von der Universitätsklinik für Innere Medizin in Graz. Die auf Geriatrie spezialisierte Internistin betont außerdem, dass man, sofern Bewegung nicht schon Teil des Lebens war bzw. ist, spätestens mit 45 damit anfangen sollte, sich regelmäßig zu bewegen. Des Weiteren spielt die gesunde Ernährung eine entscheidende Rolle: Zu empfehlen ist eine ausgewogene Mischkost mit einem in der letzten Lebensphase zunehmenden Anteil an Eiweiß, unter anderem, um die Muskulatur zu stärken. Übrigens wird das Ernährungsverhalten bereits im Kindesalter geprägt – soll heißen: Wie wir uns im Alter ernähren werden, wurde bereits entschieden, als wir noch in den Kinderschuhen steckten. Und drittens gilt es, auf einen ausgewogenen Flüssigkeitshaushalt zu achten. Roller-Wirnsberger: „Dies ist deshalb so wichtig, weil das zentrale Durstempfinden mit ansteigendem Alter verloren geht. Hier muss man also selbst aktiv dazu beitragen.“

Wacher Geist. Im Hinblick auf die geistige Fitness steht lebenslanges Lernen an oberster Stelle, wobei einmal mehr der Grundstein bereits vor Jahren gelegt wurde: Ob wir neugierig sind, ob wir uns für neues Wissen interessieren, uns selbst neue Informationen besorgen und diese auch in den bestehenden Wissensschatz einbauen können, wird im Kindesalter festgelegt. „Lernen kann man jedoch bis ins hohe Alter. Einzig die Lernstrategien verändern sich, also die Art, wie man sich Wissen aneignet“, ergänzt Roller-Wirnsberger, die auch Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Geriatrie und Gerontologie ist. Wesentlich für einen wachen Geist ist überdies die soziale Integration: Dabei sind Familie und Freunde oder die Pflege von Bekanntschaften in Wohngemeinschaften oder Altersheimen genauso zu erwähnen wie die berufliche Integration. Allein: Die heimische Pensionsmentalität zeigt ein ganz anderes Bild, schließlich gehen Österreicher mit durchschnittlich 58,6 Jahren in Pension. Das stellt nicht nur das Pensionssystem vor enorme Herausforderungen, sondern auch unser Gehirn, denn mit 60, so Roller-Wirnsberger, „befinden wir uns auf dem Höhenpunkt unseres geistigen Potenzials. Würden ältere Mitarbeiter ihren jüngeren Kollegen Wissen und Erfahrungen weitergeben, wäre dies eine Win-win-Situation – abgesehen davon, dass sich die Gesellschaft hohe Kosten sparen könnte.“ Im Übrigen hat Bewegung einen positiven Einfluss auf den Geist – auch bzw. speziell im Alter. So wurde beispielsweise die Fitness von fast 20.000 Teilnehmern im Rahmen einer von 1971 bis 2009 durchgeführten, finnischen Studie objektiv auf dem Laufband getestet. Die Ergebnisse waren erstaunlich: So war das Risiko, an Demenz zu erkranken, bei der Gruppe mit der besten Fitness um gut ein Drittel geringer als bei jenen Teilnehmern, die sich als am wenigsten fit erwiesen. Eine weitere Studie, ebenfalls aus Finnland, ergab, dass Bewegung – zum Beispiel zweimal wöchentlich mehr oder weniger zügiges Spazierengehen – in der Lage ist, Demenz im Anfangsstadium zu stabilisieren.

Alles im blauen Bereich. „Im Prinzip altert der gesamte Körper gleich schnell“, sagt Roller-Wirnsberger. Und doch könne es vorkommen, dass manche Körperteile krankheitsbedingt schneller altern. „Man weiß außerdem, dass es gewisse Organe gibt, die das Altern insgesamt beschleunigen können. Das sind insbesondere die Nieren – weshalb einmal mehr auf den Flüssigkeitshaushalt geachtet werden sollte –, das kardiovaskuläre System und die Haut.“ Darüber hinaus gibt es Menschen, die besonders alt werden. Allerdings ist damit nicht der eine oder andere Hundertjährige gemeint, sondern vielmehr sind es die Bewohner der sogenannten Blue Zones, zu denen Barbagia auf Sardinien, Okinawa in Japan, die griechische Insel Ikaria, die Nicoya-Halbinsel in Costa Rica sowie das kalifornische Loma Linda gehören. Beobachtungen zeigten, dass sich die Menschen in diesen blauen Zonen überwiegend vegetarisch, kalorienarm, jedoch reich an Mikronährstoffen ernähren. Industriell verarbeitete Lebensmittel und Fertiggerichte kommen indes nicht auf die Teller. Die Bewohner der Blue Zones haben aber noch eine Gemeinsamkeit: nämlich überaus lange Telomere. „Telomere sind die Endstücke der DNA und schützen diese vor schädlichen Einflüssen. Vereinfacht könnte man sagen: Je länger die Telomere, desto länger das Leben“, so Roller-Wirnsberger. Und um den Kreis zu schließen: Studien haben nachgewiesen, dass sich mediterrane Kost und viel Bewegung positiv auf die Telomerlänge auswirken. So können also auch wir – wenngleich außerhalb der blauen Zonen – unseren Lebensabend durch einen körperlich wie geistig aktiven Alltag und eine gesunde (mediterrane) Ernährung positiv beeinflussen.

 

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