Bewegung ist ein Segen!

Dass Ricarda Reinisch nächstes Jahr bereits ihren 60er feiert, glaubt man wirklich nicht. Als wir mit der sympathischen und beliebten „bewusst gesund“-Moderatorin (sie ist auch als Sendungsverantwortliche tätig) plaudern, klingt ihre Stimme jugendlich, vital und vor allem voller Kraft und Energie. Reinisch lacht viel während des Interviews, denkt bei schwierigen Fragen zuerst ein paar Sekunden nach, bevor sie antwortet und spricht ehrlich über ihre Fehler, ihre Leiden im Alter (ja, die hat sogar Reinisch!) und lässt sogar ein bisschen in ihr Privatleben blicken. Wenn sie von Gesundheitsthemen und ihrem Job spricht, spürt man, dass Reinisch genau in ihrem Element ist. Eigentlich nicht verwunderlich.

Liebe zur Medizin. Denn der ursprüngliche Berufswunsch der gebürtigen Wienerin war nicht Journalistin, sondern Ärztin. Schließlich war ihr Papa auch einer, ein Landarzt im Waldviertel nämlich. Der riet ihr aber ab, also studierte Reinisch Publizistik, Psychologie und Philosophie – und schloss das Studium mit einem Doktorat ab. Mit der ORF-Gesundheitssendung „bewusst gesund“ (siehe Infokasten), welche seit 2010 läuft, hat sie sich also so etwas wie einen Kindheitswunsch erfüllt (zuvor moderierte sie u. a. „Zeit im Bild“ und „Willkommen Österreich“). Die Liebe zur Gesundheit nahm Reinisch 1994 sogar wörtlich – damals heiratete sie den Wiener AKH-Krebsspezialisten Christoph Zielinski. Gemeinsam haben die beiden einen mittlerweile 18-jährigen Sohn.

GESÜNDER LEBEN:  Wie halten Sie es mit gesunder Ernährung? Überwindung oder Genuss?
Ricarda Reinisch: Ich glaube, dass ich mich „normal“ ernähre. Ich versuche, zu viel Fett und zu viel Zucker zu vermeiden. Als Einschränkung empfinde ich das nicht, da ich ohnehin gerne Obst esse. Aber natürlich darf auch zwischendurch die Schokolade nicht fehlen. Für mich ist die sogenannte „gesunde Ernährung“ nichts, was mich stresst, weil sie für mich sowieso Alltag ist.

GL: Trotzdem: Wie definieren Sie persönlich eine ausgewogene Ernährung?
Reinisch: Ich esse viel weniger Fleisch und Wurst als früher – das tun aber viele Leute in meinem Alter. Fleisch kommt bei mir sehr selten auf den Tisch. Ich esse dafür wahnsinnig gern Obst und Gemüse. Und vor allem: Pasta! Alles, was mit Nudeln zu tun hat, liebe ich! Das koche ich auch am liebsten. Aber auch Fisch mag ich sehr, sehr gerne.

GL: Sind die Österreicher ein gesundheitsbewusstes Volk?
Reinisch: Nein. Das zeigen mittlerweile viele Untersuchungen, dass wir das nicht sind. Es gibt extrem viele übergewichtige Menschen im Land, dadurch viele Menschen mit Herz-Kreislauf-Problemen – diese Probleme sind übrigens nach wie vor die Todesursache Nummer 1 in Österreich. Die häufigsten Gründe dafür sind eben falsche Ernährung und zu wenig Bewegung. Das ist leider tatsächlich so.  Auch die Zahl der Diabetiker steigt ständig – leider auch unter Kindern. Immer mehr Kinder ernähren sich ungesund und sitzen stundenlang vor dem PC, anstatt sich zu bewegen.

GL: Woran liegt das, dass das gesundheitsbewusste Denken immer mehr in den Hintergrund gerät?
Reinisch: Unser Leben hat sich verändert. Früher waren wir körperlich viel mehr gefordert, sowohl beruflich als auch privat. Früher gab es keinen Lift, man musste auch in den vierten Stock hinauf die Treppen nehmen. In der westlichen Welt sieht unser Alltag so aus, dass wir hinter dem Schreibtisch sitzen, ins Auto steigen, vorm Fernseher sitzen, am Tisch sitzen. Noch einmal: Wir müssen uns viel mehr bewegen!

GL: Apropos Bewegung: Dieses Jahr (vom Juni bis Oktober, Anm. d. Red.) gab es die Kampagne „bewusst gesund“-Bewegungstour. Können Sie etwas darüber erzählen?
Reinisch: Diese Kampagne war sehr erfolgreich und kam beim Publikum gut an. Wir sind mit unseren Partnern – dem Bundesministerium für Gesundheit/Fonds Gesundes Österreich, dem Hauptverband der Österreichischen Sozialversicherungsträger, dem Ministerium für Landesverteidigung und dem Sportministerium – durch ganz Österreich getourt und haben den Leuten gezeigt, auf welche Art und Weise sie sich bewegen können und warum dies so wichtig ist. Wir wollten auch aufzeigen, dass Bewegung nicht kostenpflichtig, sondern jederzeit kostenlos möglich ist. Es kommt auf das eigene Wollen an. Ich denke, die Leute haben viel Spaß gehabt und für sich viel Neues entdeckt.

GL: Welchen Sport betreiben Sie persönlich?
Reinisch: Ich nehme beinahe immer die Treppen und vermeide den Lift. Außer, wenn es wieder bergab geht – mit meiner Hüftarthrose ist das Stiegen-Runter-Gehen dann doch zu schmerzhaft. Früher habe ich viel Tennis gespielt, aber das kann ich jetzt wegen meiner Hüfte nicht mehr. Was ich aber mache, sind gezielte Übungen für den Muskelaufbau und die Muskellockerung. Das tut mir sehr gut.

GL: Bewegung darf man also nie vernachlässigen?
Reinisch: Auf keinen Fall! Solange man die Möglichkeit hat und solange es irgendwie geht, sollte man sich bewegen. Bewegung ist ein Segen. Das kann auch sein, dass man ganz einfach täglich einen Spaziergang macht. In „bewusst gesund“ hatten wir vor Kurzem einen Beitrag über eine Frau, die über 90 Jahre alt ist und immer noch isometrische Übungen macht! Toll! Man weiß heute, dass Menschen, die sich bis ins hohe Alter bewegen, weniger anfällig für Demenz oder andere Krankheiten sind.

GL: Sie werden nächstes Jahr 60. Wie blicken Sie diesem Geburtstag entgegen?
Reinisch: Gelassen. Und ich hoffe, mit ein paar guten Freunden und der Familie feiern zu können.

GL: Was wissen Sie heute über sich selbst, was Sie vor 30 oder 40 Jahren noch nicht wussten?
Reinisch: Es ist ja schade, dass man das Wissen, das man mit 60 Jahren hat, nicht mit 20 hat. Ich habe in den letzten Jahrzehnten viel über mich lernen dürfen und müssen. Zum Beispiel bin ich nun viel gelassener als früher – das ist ein großer Vorteil im Alter. Da lässt man Fünfe auch mal gerade sein. Im Alter wird man auch geduldiger. Gleichzeitig versucht man aber auch, die Lebenszeit, die man noch vor sich hat, intensiver zu nutzen. Die Lebenszeit, die einem noch bleibt, wird immer überschaubarer. Als junger Erwachsener allerdings kann man sich eine Zeitspanne von 50 Jahren gar nicht vorstellen. Die letzten Jahre sind für mich wahnsinnig schnell vergangen.

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