Bewegung ist die beste Medizin

Als Kleinkinder sind wir von früh bis abends durch die Gegend gelaufen, als Jugendliche und junge Erwachsene haben wir uns auch ausreichend bewegt, als Eltern rennt man ständig hin und her – und dann? Im mittleren oder im gesetzteren Alter haben viele von uns weder Lust noch Energie, noch Zeit, sich mehr als nötig zu bewegen. Und das, obwohl zahlreiche internationale Studien zum gleichen Ergebnis kommen: Bewegung ist die beste Medizin. Und Bewegungsmangel ist der Risikofaktor Nummer eins für viele Zivilisationskrankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus, Krebs, Rückenschmerzen, Arthrose, Osteoporose, Allergien und Depressionen. Hinzu kommt: Laut einer weltweiten aktuellen Studie, die kürzlich im „British Medical Journal“ veröffentlicht wurde, kann Bewegung bei den bislang vier untersuchten Erkrankungen – Diabetes im Frühstadium und bei Erkrankungen der Herzkranzgefäße sowie bei Schlaganfall oder Herzversagen – sogar besser vor dem Tod schützen als die meisten Medikamente. Die Forscher Huseyin Naci von der London School of Economics and Political Science und John Ioannidis von der Stanford University: „Unsere Studien haben eindeutig ergeben, dass Sport die bessere Präventionsmaßnahme ist.“

Jeder Schritt bringt Sie näher an Ihr Ziel. Um unsere Gesundheit zu erhalten oder wiederherzustellen, sollten wir uns noch heute auf die Socken machen. 10.000 Schritte sollten wir gehen. Täglich. Das sind umgerechnet etwa sechs bis acht Kilometer. Wissenschaftler haben berechnet, dass wir im Durchschnitt jedoch nur auf 2.000 Schritte kommen. „Das ist eindeutig zu wenig“, sagt Sportwissenschaftler Univ.-Prof. Dr. Erich Müller, Vizerektor für Lehre an der Universität Salzburg. „Ich differenziere immer zwischen Sport und Bewegung, da es vielen Menschen leichter fällt, sich in ihrem Alltag mehr zu bewegen, als mehr Sport zu betreiben oder aber überhaupt erst mit einer sportlichen Betätigung zu beginnen.“ Mit ein paar simplen Tricks lassen sich Ihre Bewegungsabläufe sofort vervielfachen.

  • Räumen Sie zu Hause um, richten Sie sich möglichst unpraktisch ein: Stellen Sie Kaffeehäferl und Kaffeemaschine auseinander, trennen Sie Gabel und Messer, Topf und Deckel, Zahnpasta und Zahnbürste, Blusen und Hosen, Waschmittel und Waschmaschine, Schaufel und Besen, rechten und linken Schuh. So werden automatisch Wege in Ihren Alltag eingebaut!
  • Gewöhnen Sie sich an, Ihre Wege – vor allem jene unter zwei Kilometern – zu Fuß zu erledigen.
  • Steigen Sie zwei, drei Stationen vor dem Ziel aus der U-Bahn, dem Bus, der Straßenbahn aus und gehen Sie den Rest.
  • Falls Sie auf ein Auto angewiesen sind, parken Sie es einige Straßenzüge vom Ziel entfernt.
  • Benützen Sie so oft wie möglich Ihr Fahrrad (15 Minuten sind 1.500 Schritte).
  • Überall, wo ein Lift ist, gibt es auch eine Treppe. Nehmen Sie diese.
  • Nützen Sie jede Pause zur Bewegung.
  • Gehen Sie täglich eine halbe Stunde zügig spazieren.

 

Kontrolle. Um einen Überblick zu bekommen – wir glauben ja, dass wir den lieben langen Tag eh so viel herumlaufen –, ist es hilfreich, sich einen Schrittzähler zuzulegen oder sich eine Gratis-App aufs Handy zu laden. Lassen Sie sich von dem Ergebnis nicht entmutigen. „Die meisten Menschen, die sich über die Jahre wenig bewegt haben und sich auch nicht sportlich betätigen, kommen in der ersten Zeit auf die Hälfte, also auf 5.000 Schritte“, sagt Müller. Und der Sportwissenschaftler weiter: „Steigern Sie die Anzahl Ihrer täglichen Schritte nach und nach. Sollten Sie ein Sportmuffel sein, dann macht Ihnen ja vielleicht ein ausgedehnter, täglicher Spaziergang Spaß. Aber geben Sie nicht auf, denn nur wenn Sie über die Jahre konsequent auf Ihre täglichen 10.000 Schritte kommen, können Sie mit Sicherheit davon ausgehen, dass das für die Gesundheit von größter Bedeutung ist.“ Hinweis: Schummeln bringt (leider) nichts. Tagelang keinen Schritt zu viel zu gehen und dann dafür am Wochenende eine Riesentour zu machen ist nicht Sinn der Sache. Mit einem Spaziergang nach dem Abendessen, einer ausgiebigen Wanderung am Wochenende und extra Sport (dazu zählt auch Schwimmen!) sollte es Ihnen mit der Zeit gelingen, das Pensum in Ihren Alltag zu integrieren.

Fit im Winter.  Wir sind in einem Alter, in dem wir weder uns selbst noch den anderen etwas beweisen müssen: Darum überlassen wir, etwa beim Skifahren, der Jugend die schwarzen Pisten und nehmen die anderen. Denn: Zwei Tage Skifahren in der Woche hat, wie Sportwissenschaftler Müller und sein Team in einer groß angelegten Studie nachweisen konnten, allen voran positive Effekte auf den Muskelaufbau sowie auf die Gleichgewichtsfähigkeit (Sturzprophylaxe). Deutlich aufgezeigt werden konnte überdies, dass Depressionen – die im Alter zunehmen – durch sportliche Aktivitäten in der freien Natur positiv beeinflusst werden. Auch beim Langlaufen können wir die Stoppuhr zu Hause lassen. Nordic Cruising wird zwar – mit leicht verächtlichem Unterton – als Damen-Sport bezeichnet, aber: Mit den etwas breiteren und kürzeren Skiern in konstanter Geschwindigkeit unser Herz- und Kreislaufsystem in Schwung zu bringen macht möglichen Spott mehr als wett. Und: Der Muskelabbau beginnt schon mit 30 Jahren. Da sind wir drüber. Die gute Nachricht: Für ein gezieltes Muskeltraining ist es nie zu spät. Sportwissenschaftler Müller: „Krafttraining ist, wie jede Sportart, die die Muskulatur stärkt und somit gegen den Abbau der Knochenmasse (Osteoporose!) wirkt, prinzipiell gut.“      

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