Bettnässen (Enuresis)

Vom Bettnässen spricht man also erst, wenn ein Kind im Alter von fünf Jahren oder älter noch regelmäßig (mindestens zwei bis dreimal im Monat) einnässt. Enuresis ist eine der häufigsten Störungen im Kindesalter, von der ca. 20 % der Fünfjährigen, ca. 10 % der Siebenjährigen, ca. 5 % der Zehnjährigen und 12 % der Jugendlichen betroffen sind. Meist handelt es sich um eine harmlose Entwicklungsverzögerung, die den Bereich der Schlaf- und Ausscheidungsregulation betrifft. Solange keinerlei Tagessymptomatik besteht (häufiges oder seltenes zur Toilette gehen, die Toilette nicht mehr erreichen, Harnverlust etc.) könnte man prinzipiell abwarten, da 99 % aller Kinder bis zur Pubertät auch ohne unterstützende Maßnahmen trocken werden.

Das Problem Bettnässen belastet nicht nur das betroffene Kind, sondern ist auch für die Eltern nicht ganz einfach zu akzeptieren. Kinder und Eltern schämen sich darüber zu sprechen und verheimlichen die Problematik häufig, was nicht selten zu weiteren Verhaltensauffälligkeiten beim Kind führt. Die Kinder weigern sich in der Folge an Aktivitäten teilzunehmen, bei denen es zu einer Aufdeckung kommen könnte, z.B. Schikurs, Ferienaufenthalte, etc. Sie können nicht bei FreundInnen übernachten, fühlen sich ausgeschlossen und sind ständig darum bemüht, ihr Geheimnis zu wahren. Wird bekannt, dass ein Kind tagsüber oder nachts noch einnässt, sind Gleichaltrige wenig verständnisvoll, es wird als „Hosenscheißer“ verspottet und verlacht. Dies beeinträchtigt den Selbstwert und führt dazu, dass solche Kinder sich anderen gegenüber minderwertig fühlen. Deshalb sollten Eltern die Ursachen hinterfragen und eine medizinische bzw. klinischpsychologische Abklärung veranlassen.

Vom Bettnässen im medizinischen Sinn (Enuresis nocturna) wird erst gesprochen, wenn Kinder, die untertags trocken sind und deren Blasenentleerung somit unauffällig ist, nach dem fünften Lebensjahr nachts noch mindestens zweimal im Monat einnässen. Dabei unterscheidet man zwischen primärer und sekundärer Enuresis.
Von einer primären Enuresis spricht man, wenn das Kind seit der Geburt noch nie länger als sechs Monate trocken war. Sie ist mit 75 % bis 80 % die weitaus häufigere Form.

Als Ursache nimmt man eine Verzögerung in der Entwicklung an. Die Blasenkontrolle funktioniert noch nicht ausreichend.

Weitere Ursachen sind:

  • Ein Hormonmangel, der dazu führt, dass in der Nacht von den Nieren zu viel Harn produziert wird und somit die Blase förmlich überläuft! Die betroffenen Kinder schlafen meist sehr tief und merken oft gar nicht, dass sie nass sind. Bettnässer werden von den Kinderärzten medikamentös mit der Wirksubstanz Dermopressin behandelt. Die Erfolgsrate liegt nach einer Behandlungsdauer von mind. einem halben Jahr bei 70 %.
  • eine familiäre Veranlagung
  • Psychische Ursachen spielen bei der primären Enuresis kaum oder gar keine Rolle. Wenn Verhaltensauffälligkeiten beobachtet werden, so sind sie nicht Ursache, sondern Folge des Bettnässens.
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