Bandscheibenvorfall! Muss ich operieren?

Die Bandscheibe ist ganz wichtig für die Beweglichkeit unserer Wirbelsäule. Jeweils zwei benachbarte Wirbel bilden eine Bewegungseinheit bzw. ein Wirbelsegment. Dazwischen liegen Bandscheibe und Wirbelgelenke, welche das Ausmaß der Bewegung steuern. „Die Bandscheibe agiert wie ein Puffer, da sie sich verformen, großen Druck aushalten und Stöße abfedern kann“, erklärt Dr. Thomas Rustler, Oberarzt in der Abteilung für konservative Orthopädie am Orthopädischen Spital Speising im 13. Wiener Gemeindebezirk.

 

Riss im Ring 

Die Bandscheibe besteht aus einem festen Faserring und einem weichen inneren Anteil, dem Gallertkern. Mit zunehmendem Alter kommt es häufig zu Verschleißerscheinungen an den Bandscheiben: Unter dem Elektronenmikroskop sind laut Rustler bereits ab dem 18. Lebensjahr Risse im Faserring zu sehen. Das sei, so der Experte, eine ganz natürliche Alterserscheinung: „Bandscheiben degenerieren bei allen, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß. Es gibt Menschen mit riesigen Bandscheibenvorfällen, die keine Schmerzen haben. Und dann gibt es Patienten mit nur sehr kleinen Vorfällen, die aber derart ungünstig liegen – etwa direkt an der Nervenwurzel –, dass die Beschwerden unerträglich sind.“ Bandscheibenvorfall ist also nicht gleich Bandscheibenvorfall. Nicht nur, weil manchmal Schmerzen auftreten und manchmal nicht. Sondern auch, weil beispielsweise bildgebende Verfahren wie MRT oder CT nur die Form des Bandscheibenschadens beschreiben, unabhängig von der Auswirkung auf den Betroffenen. Dann steht im Befund „Bandscheibenvorfall“, der aber für die Beschwerden gar nicht verantwortlich ist. Hingegen kann eine einfache Bandscheibenvorwölbung manchmal heftige Schmerzen verursachen. Nicht zuletzt aus diesem Grund braucht es, so Orthopäde Rustler, „für eine korrekte Diagnose eine Kombination aus einem ausführlichen Anamnesegespräch, einem neuroorthopädischen Status, einer genauen manuellen Diagnostik und bildgebenden Verfahren.“

 

Klassischer Vorfall 

Thomas Rustler hatte vor einigen Jahren selbst einen Bandscheibenvorfall: „Wie aus dem Lehrbuch. Ich hatte zuerst nur Kreuzschmerzen, teilweise sogar in der Nacht. Dennoch bin ich weiter laufen gegangen, wobei die Schmerzen bergauf weniger heftig waren als bergab. Heute ist mir auch klar, warum: Bergauf sind die Nervenlöcher weiter, der Nerv hat mehr Luft. Bergab macht man ein Hohlkreuz und engt den Nerv somit ein“, erklärt Rustler, der freilich ein MRT machen ließ, das jedoch zum damaligen Zeitpunkt unauffällig war. Ein paar Wochen später ging es allerdings Schlag auf Schlag: Während Rustler den Berg hinauflief, erlitt er einen Fallfuß – er konnte den Fuß nicht mehr heben. Abgesehen davon, dass er stark bewegungseingeschränkt war, hatte er höllische Schmerzen, die bis in die Beine ausstrahlten. Wenngleich Thomas Rustlers Vorfall als „klassisch“ bezeichnet werden kann, gibt es das eigentlich gar nicht. Bandscheibenvorfälle können plötzlich auftreten oder schleichend verlaufen, mit Lähmungserscheinungen oder Missempfindungen wie Kribbeln in den Beinen oder Füßen einhergehen oder keine derartigen Beschwerden verursachen. Sie treten häufig beim 4. oder 5. Lendenwirbel auf, können aber an sich in der gesamten Wirbelsäule vorkommen. Eines kann indes gesagt werden: Beim Bandscheibenvorfall handelt es sich stets um einen spezifischen Kreuzschmerz. Das heißt: Er hat eine körperliche Ursache, deren gezielte Therapie den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen kann. Im Gegensatz dazu können unspezifische Kreuzschmerzen mittels Röntgen und MRT nicht bewiesen werden, was übrigens bei bis zu 90 % der Fall ist.

Interessantes

- Advertisement -Jentschura

Empfehlungen