Babys erster Job: Saugen!

Es war alles sehr schnell gegangen: Kaum hatten die Ärzte die Entscheidung für den Kaiserschnitt getroffen, lag Sabine auch schon am OP-Tisch. Zwei Minuten später war die kleine Christine da und Sabine noch in Narkose. Also nahm sich Axel seiner Tochter an: Sie lag auf ihm und schaute vergnügt durch seine Brusthaare in die Welt. Christina war noch keine zwei Stunden auf der Welt, da begann sie mit kleinen robbenden Bewegungen zu suchen. Auf der Höhe seiner Brustwarzen angekommen, begann sie ihren kleinen dunklen Kopf hin und her zu drehen. Axel verstand und war beeindruckt, mit welcher Zielstrebigkeit seine neugeborene Tochter die Milch spendenden Brustwarzen suchte. Der frisch gebackene Vater hat am eigenen Leib erfahren, dass Babys durch ihre angeborenen Reflexe bestens vorbereitet sind, Nahrung aufzunehmen. Sie suchen gewissermaßen „automatisch“ die Brustwarze der Mutter. Mit dem Saugreflex massieren Kiefer und Zunge des Kleinen die Brust der Mutter so, dass die Milch aus den so genannten Milchseen in seinen Mund fließt. Gleichzeitig regt diese Bewegung die Milchdrüsen an, frische Milch zu bilden, die in die Milchseen nachfließt. Wenn das Baby genug  Nahrung in seinem Mund hat, dann setzt der Schluckreflex ein, und die Milch wird weiter in den Magen befördert. Man kann also guten Gewissens sagen, dass jedes Baby von der ersten Minute seines Lebens an weiß, wie es das mit dem Essen machen soll. Was natürlich nicht heißt, dass das Neugeborene bei der Nahrungsaufnahme schon viel Übung hat. Das lernen Mutter und Kind gemeinsam jeden Tag ein bisschen besser.

Das mit der Übung ist allerdings so eine Sache: Sie tun sich deutlich leichter, wenn Ihnen jemand gezeigt hat, wie Sie Ihr Kind zum Stillen richtig anlegen. Doch oft sind die Möglichkeiten zum Lernen sehr beschränkt oder ungünstig. Außerdem vertrauen wir gerne  der Nahrungsmittelindustrie mehr als unsereneigenen Kochkünsten. Daher sind wir gewohnt, fertige Produkte zu verwenden, sei das jetzt für uns die Tiefkühlpizza oder für das Kind Muttermilchersatzprodukte. Ohne Ihnen ein schlechtes Gewissen machen zu wollen: Es ist medizinisch erwiesen, dass die Muttermilch Stoffe enthält, die biologische Vorgänge im Stoffwechsel des Kindes anregen und es vor Krankheiten schützen. Muttermilchersatzprodukte sind qualitativ sicherlich hochwertig, aber sie verfügen über diese Zellen nicht. Daher haben Kinder, die nicht gestillt werden, ein doppelt so hohes Risiko zu erkranken als solche, die gestillt werden. Letzten Endes ist es Ihre Entscheidung, wie Sie sich und Ihr Kind ernähren. Und nur weil Sie sich gegen das Stillen entschieden haben, sind Sie noch lange keine Rabenmutter.

Eine gute Beziehung zu Ihrem Kind ist mit beiden Ernährungsformen möglich.

Tipps für Eltern

Auch für das Neugeborene hat jede Mahlzeit eine gesellige Komponente. Es schaut Ihnen in die Augen und sucht Körperkontakt. Essen bedeutet für Ihr Kind nicht nur Nahrungsaufnahme, sondern auch Gemeinschaft, Kontakt und Genuss. Ihre zärtliche Anwesenheit zeigt Ihrem Baby, dass Sie da sind, und gibt ihm die Sicherheit, dass Sie auch weiterhin für es sorgen werden.

Nahrungsaufnahme ist für Babys überlebenswichtig. Daher sind die Bewegungen mit dem Mund und dem Kiefer die ersten, die das Baby gut kann. Aber es geht nicht nur ums Essen. Durch kräftige Saug- und Kieferbewegungen kann das Neugeborene Energie und damit auch Spannungen abbauen, Babys fühlen sich nach dem Saugen zufrieden; so ähnlich, wie sich Erwachsene nach einer gelungenen Arbeit fühlen. Ausreichend kräftiges Saugen macht das Baby also nicht nur satt, sondern auch glücklich.

Ihr Baby zeigt Ihnen, dass es hungrig ist, indem es seinen Kopf hin und her zu drehen beginnt und nach der Brust oder der Flasche sucht. Wenn dieses Hungerzeichen nicht beachtet wird, beginnt es zornig zu weinen.

Babys lernen in den ersten Wochen nicht nur ihre Umgebung, sondern auch sich selbst immer besser kennen. Sie lernen selber erst langsam, wann sie Hunger haben und wann sie satt sind. Beide, Eltern und Kind, lernen das Bedürfnis des Babys nach Nahrung und seinen Rhythmus der Mahlzeiten erst kennen. Die Kleinen sind darauf angewiesen, dass die Eltern Geduld haben. Manche Babys brauchen anfangs alle zwei bis drei Stunden etwas Nahrhaftes. Und die meisten Neugeborenen brauchen auch in der Nacht Nahrung. Geben Sie sich und Ihrem Kind die Zeit, diese neue Welt zu entdecken.

Bei Beschwerden, Schwierigkeiten oder Fragen zögern Sie nicht, möglichst bald eine Hebamme, Stillberaterin oder einen Arzt zu Rate zu ziehen.

Allein in Deutschland macht der Umsatz der Babynahrungsindustrie jedes Jahr rund 200 Millionen Euro aus. Muttermilch hingegen ist gratis. Es ist also auch klar, welche Seite mehr Geld für Information und Werbung ausgeben kann. Es bestehen ganz klare wirtschaftliche Interessen, und so werden die Schattenseiten der Muttermilch in der Kommunikation oft überbetont. Berücksichtigen Sie diese Tatsache, wenn Sie Informationen über Babynahrung lesen!

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Stillen Rat und praktische Hilfe für alle Phasen der Stillzeit,  von Marta Guoth-Gumberger, Elizabeth Hormann Gräfe und Unzer


Autor:
Maga. Irene M. Kernthaler-Moser, Journalistin

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