Auf der Suche nach dem Sinn und sich selbst …Identitätsentwicklung im Jugendalter

Erinnern Sie sich noch an das Buch „Das kleine ICH-BIN-ICH“ von Mira Lobe? Vielleicht haben Sie es Ihrem Sohn / Ihrer Tochter im Kindergartenalter sogar selbst vorgelesen. Generationen von Kindern lieben dieses Büchlein, weil es Mut macht einfach so zu sein wie man ist – ein ICH-BIN-ICH eben. Es beschreibt die abenteuerliche Reise auf der Suche nach sich selbst, seiner eigenen Identität. „Ich bin ich“ mag für uns Erwachsene selbstverständlich sein, bei Kindern muss es sich erst einstellen.

Jetzt fragen Sie sich sicher was hat ein Bilderbuch mit einem Teenager zu tun? Na schauen wir mal…

Was bisher geschah … die Entwicklung der Identität
Die Entwicklung des Selbstbewusstseins beginnt als körperliches Gefühl, ein sechs Monate altes Baby verfügt bereits in den Grundzügen über das Wissen um sein eigenes Äußeres. Aber erst im zweiten Lebensjahr beginnt das Kind sich der eigenen Person bewusst zu werden; rund um den dritten Geburtstag weiß es, dass es als feste Gegebenheit existiert, gleichgültig was sich um es herum abspielt.

Im dritten Lebensjahr entdeckt das Kind sich selbst als eigenständige Persönlichkeit und begreift die Bedeutung des Wortes „ich“. Das Wissen eigene Gedanken, Empfindungen und Bedürfnisse zu haben, die Entscheidungs- und Handlungsmöglichkeiten eröffnen, ist nicht nur ein großartiges Geschenk, sondern auch eine Herausforderung für die Kleinen, da der Umgang damit erst gelernt werden muss. Es ist kein Zufall, dass dieser Lebensabschnitt „Trotzphase“ genannt wird. Das Lieblingswort „nein“ dient vor allem dem Experimentieren und Festigen des noch neuen, aufregenden Bewusstseins eine eigene Person zu sein. Die Entdeckung des „Ichs“ führt zur Suche nach Gemeinsamkeiten mit anderen Menschen und geht mit Abgrenzung von ihnen einher. Mit der Möglichkeit der Wahl kommt die Qual – denn es werden Entscheidungen gefordert. Neben den äußeren Geschehnissen ist das Kind auch mit widersprüchlichen Empfindungen und Bedürfnissen in sich selbst konfrontiert. Es findet sich also oftmals in Interessenkonflikten wieder, die teilweise in äußerst dramatischen Szenen zum Ausdruck kommen. Die Fähigkeit zwischen „ich“ und „du“ zu unterscheiden ermöglicht den Kleinen auch andere zu verstehen. In diesem Alter lieben sie Rollenspiele, die ihnen bei dieser Verständnissuche helfen. Durch die Identifikation mit anderen Menschen erhalten sie Orientierung, wobei Kinder im Spiel beobachtete Verhaltensweisen nachahmen bzw. ausprobieren und sich gleichzeitig mit ihrer eigenen Person beschäftigen.

Im vierten Lebensjahr weiß das Kind, dass es ein eigenständiges Wesen ist, das spannende Thema ist in dieser Zeit die Auseinandersetzung mit der Geschlechtszugehörigkeit. Das Augenmerk wird auf den „kleinen Unterschied“ gelegt, besonders die Eltern, aber auch andere (Bezugs)Personen, werden unter dem Aspekt von weiblichen / männlichen Verhaltensweisen, Haltungen usw. beobachtet. Geschlechtspezifische Rollenbilder werden nachgeahmt, ausprobiert und durch die Identifikation mit dem gleichgeschlechtlichen Elternteil in die eigene Persönlichkeit integriert.

Im fünften Lebensjahr ist das Kind in der Lage durch die Sprache eine gut funktionierende Brücke zwischen den Vorgängen in seinem Inneren und seiner Umwelt zu schlagen. Sein Interesse gilt überwiegend den Gleichaltrigen, es lernt soziale Ordnungen kennen und übt den Umgang damit. Regelspiele sind in diesem Alter nicht nur sehr beliebt bei den Kleinen, sondern dienen der Weiterentwicklung. Mit dem Wachstumsschub vollzieht sich eine körperliche Veränderung vom Kleinkind zum Schulkind, was die meisten Kinder erfreut zur Kenntnis nehmen.

Beim Schuleintritt ist dem Kind völlig klar, dass es eine individuelle, unverwechselbare, von anderen unterscheidbare Person ist. Es erlebt sich selbst als innere, gleichbleibende Einheit, es hat eine stabile, eigene Identität entwickelt. Da das Kind nun weiß wer es ist und im Großen und Ganzen sich selbst ganz gut versteht, wird die Aufmerksamkeit nach außen gewendet, nun möchte es die Welt verstehen. Die Volksschuljahre sind gekennzeichnet durch eine große Neugier an den Vorgängen in der Welt, das Kind möchte wissen warum die Dinge so sind wie sie sind und wie sie funktionieren. Es befindet sich in seiner kognitiven Entwicklung auf der Stufe der konkreten Denkoperationen, das bedeutet es ist in der Lage Ordnungen herzustellen, Gegenstände, Begriffe nach seinen Merkmalen zu unterscheiden sowie zu analysieren und zunehmend konkrete Wahrnehmungen in Kategorien einzuordnen. Es wird beobachtet, geforscht und experimentiert, immer wieder tauchen neue Fragen auf, der Wissensdurst ist fast unstillbar.

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