Auch Schnecken und Schildkröten kommen an ihr Ziel

Weder Schnecken noch Schildkröten sind berühmt für ihre Geschwindigkeit. Und beide haben meist das Haus für den sicheren Rückzug mit. Schnecken verkriechen sich in ihr Schneckenhaus und Schildkröten ziehen sich unter den schützenden Panzer zurück. So sind beide vor den allermeisten Feinden geschützt. Kinder haben kein Schneckenhaus zum Zurückziehen, aber ihre Eltern. Mit Mami und Papi an der Seite kann Ihr Kind mit dem Kindergarten, den anderen Kindern und den vielen Spielmöglichkeiten leichter vertraut werden. Ihr Kind möchte ja selbstständig werden. Aber es wagt sich in die Abenteuer nur hinaus, wenn es immer wieder in den sicheren Hafen zu den Eltern zurückkehren kann. Die Geschwindigkeit ist dabei von Kind zu Kind verschieden. Aber auch Schnecken und Schildkröten sind langsam und kommen trotzdem an ihr Ziel. Sie sind nämlich sehr beharrlich und geduldig.

Beim Einstieg in den Kindergarten sollten auch Sie viel Geduld und Ruhe für Ihr Kind haben. Nehmen Sie sich viel Zeit für die Eingewöhnungsphase und besprechen Sie diese mit der KindergärtnerIn! Für Ihr Kind ist das eine große Umstellung. Holen Sie Ihr Kind in den ersten Tagen bereits jeweils nach zwei Stunden ab. So lange haben Dreijährige meist kein Problem, im Kindergarten zu bleiben. Nach drei, vier Tagen wollen die Kinder dann schon oft von selber länger bleiben. Oder Sie erhöhen die Zeit im Kindergarten schrittweise auf das von Ihnen gewünschte Ausmaß. Beobachten Sie Ihr Kind, wie es mit dieser Umstellung umgeht, und lassen Sie ihm Zeit. Es mag Ihnen vielleicht mühsam erscheinen, Ihr Kind für zwei, drei Stunden in den Kinder-garten zu bringen, aber diese langsame Ein-gewöhnung lohnt sich. Sie geben Ihrem Kind so die Möglichkeit, sich in seinem Tempo an Neues zu gewöhnen. Und nachher haben alle einen Vorteil: Das Kind fühlt sich wohl im Kindergarten, die Eltern brauchen kein schlechtes Gewissen zu haben, und die KindergartenbetreuerInnen haben weniger Stress. Woran Sie erkennen, dass Ihr Kind sich gut eingewöhnt hat? Wenn Ihr Kind sich von der Kindergärtnerin genauso trösten lässt wie von Ihnen und sich nach ein paar Tränen wieder einem Spiel zuwendet, dann ist alles in Ordnung. Und wundern Sie sich nicht, dass Ihr Kind bereits nach kurzer Zeit im Kindergarten am Anfang müde ist, diese vielen neuen Eindrücke sind sehr anstrengend.

Warum Kinder überhaupt in den Kindergarten gehen sollen? Fachleute sagen darauf kurz und bündig: „wegen der sozialen Kompetenzen“. Damit ist die Fähigkeit gemeint, mit sich selbst und anderen gut umzugehen und angemessen reagieren zu können. Und genau das können Kinder sehr gut im Kindergarten üben. Die Kleinen lernen die Körpersprache anderer Kinder richtig zu deuten. Die Lisa ist traurig, denn die Mundwinkel und die Schultern hängen herunter und der Sepp ist offensichtlich wütend, weil er gerade seinen Schuh durch die Gegend pfeffert. Ihr Kind lernt dann, wie es gut auf diese Gefühle reagieren kann. Lisa freut sich, wenn man ihr ein Bussi gibt, und Sepp möchte einfach in Ruhe gelassen werden. Sie brauchen also ganz unterschiedliche Dinge.

Die Kinder lernen auch, die Gefühle zu benennen. Karin hat z.B. Katzen sehr gern, und Maria fürchtet sich vor ihnen. Karin lernt durch Maria, dass nicht alles, was sie mag, auch anderen Kindern Freude macht. Sie fragt also: „Magst Du meine Katze streicheln?“ Und Maria lernt zu sagen: „Ich schaue Dir lieber aus der Ferne zu. Bitte halte Deine Katze selber.“

Zu den sozialen Kompetenzen zählt auch die Fähigkeit, sich und andere zu motivieren. Ihr Kind hat eigene Ideen und versucht diese, alleine und mit anderen, umzusetzen. Es wird ausprobieren, wie es die anderen am besten „herumbekommt“. Wenn gutes Zureden und aller Charme nichts nützen, beginnen manche Kinder es auf die lästige Tour zu versuchen. Doch das werden sie nur tun, wenn die Erwachsenen auf die positiven Versuche nicht reagiert haben. Sie können Ihr Kind beim Üben der sozialen Kompetenzen unterstützen, indem Sie z.B. seine Handlungen benennen, denn das können Dreijährige oft noch nicht selbst: „Lena, ich glaube, Du willst die Schaufel. Da müssen wir Peter aber fragen.“ Und unterschätzen Sie diese Verhandlungsfähigkeiten nicht – ExpertInnen sind überzeugt, dass soziale Kompetenzen enorm wichtig sind für eine gute Lebensbewältigung.

Tipps für Eltern

  • Für Ihr Kind ist es ganz wichtig, dass es sich auf Sie verlassen kann. Wenn Sie ihm versprechen, es um eine bestimmte Uhrzeit abzuholen, dann setzen Sie Himmel und Hölle in Bewegung, um dieses Versprechen auch einzuhalten.
  • Lange Abschiedsszenen verunsichern Ihr Kind. Sagen Sie kurz und bündig auf Wiedersehen. Freuen Sie sich mit Ihrem Kind, wenn es sich hier im Kindergarten so wohl fühlt.
  • Für Sie ist es unter Umständen nicht leicht, Ihr Kind loszulassen. Stecken Sie Ihr Kind nicht mit Ihrer Traurigkeit an. Suchen Sie Verständnis in Gesprächen mit Ihrem Partner/Ihrer Partnerin bzw. Freund/Freundinnen über Ihre Situation.
  • Wenn Ihr Kind noch Windeln trägt, so fragen Sie im Kindergarten nach, ob es auch mit Windeln kommen kann. Zwingen Sie es nicht auf den Topf. Kinder lernen durch Nachahmung in wenigen Tagen von selbst, die Toilette zu benutzen.
  • Wenn Ihr Kind sich schon gut eingewöhnt hat und auf einmal wieder schrecklich unter der Trennung von Ihnen zu leiden beginnt – z.B. nach dem gemeinsamen Urlaub –, dann seien Sie nicht beunruhigt. Die Balance zwischen „die Welt entdecken“ und „Sicherheit am Rockzipfel der Eltern“ ist nicht immer leicht zu halten. Am besten ist es, wenn Sie Ihr Kind in einer solchen Situation nicht aus dem Kindergarten nehmen, ihm aber besonders viel Zeit in der Früh und nach dem Kindergarten widmen.
  • Nützen Sie die Elternabende und besprechen Sie Ihre Anliegen und Vorstellungen für Ihr Kind mit der Kindergärtnerin/dem Kindergärtner.

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