Allein erziehen

Alleinerziehende Väter sind immer noch in der Minderzahl, auch wenn Familien mit Vätern, die ihre Kinder alleine groß ziehen, zu den am stärksten wachsenden Familienformen gehören. In der Mehrzahl sind es aber immer noch die Mütter, die die Betreuung und Erziehung der Kinder übernehmen. Väter sind in der Alleinerzieherrolle mit Misstrauen, Zweifel, Überraschung, aber auch mit Bewunderung, Neugier und Zuspruch in ihrer Umgebung konfrontiert. Bei Müttern sieht man diese Aufgabe eher als selbstverständlich an. Das hängt mit den tradierten Familienrollen zusammen und diese Einstellungen werden sich auch so schnell nicht verändern. Heute trauen sich immer mehr Väter nach einer Trennung von ihrer Partnerin zu, den Alltag mit den Kinder zu meistern. Nach anfänglichen Umstellungsschwierigkeiten bewältigen die meisten Väter die neue Aufgabe nicht schlechter als Mütter in einer solchen Situation. Väter und Kinder lernen sich vielleicht auf eine neue Art und Weise kennen, ihre Beziehung bekommt eine andere Qualität. Sie wird möglicherweise enger und vertrauter oder auch gefühlsbetonter, da der Papa nun auch Bereiche des Alltags übernimmt, die er früher vielleicht der Mutter überlassen hat (z.B. Geschichten erzählen, Trost spenden bei Kummer, Pflege und Versorgung des kranken Kindes usw.)

Kein Boss kann alles alleine schaffen
Die meisten Väter und Mütter sind vor die Herausforderung gestellt, Vollzeitberufstätigkeit und Elternteil sein unter einen Hut zu bringen, was nicht immer leicht ist. Eine Familie zu organisieren, heißt für jeden der dies tut, Managementaufgaben zu übernehmen. Kein Chef kann alles selber machen. Soll sich dieses kleine Unternehmen erfolgreich entwickeln, gilt es sich Unterstützung und Tipps zu holen. Unterstützung kann aus der Familie oder dem Freundeskreises kommen, aus Büchern, aber auch durch Kontakte zu Beratungsstellen, sozialen Einrichtungen, Kinderbetreuungsnetzwerken oder privaten Kontakten zu anderen Alleinerziehenden. Spezialist für das eigene kleine Unternehmen Familie bleibt natürlich jeder Elternteil selbst, denn kein anderer kennt den eigenen Betrieb so gut. Durch Gespräche mit anderen Eltern oder Experten in Erziehungsfragen können AlleinerzieherInnen jedoch hilfreiche Ideen oder Impulse für das Leben mit Kindern bekommen. Zusätzlich ist es entlastend einmal über die Erlebnisse im Alltag mit Anderen zu plaudern und zu sehen, dass man mit gewissen Schwierigkeiten nicht alleine da steht. Durch den Austausch mit anderen AlleinerzieherInnen können sich auch Freundschaften ergeben. Gegenseitige Unterstützung wird möglich, wenn der Vater oder die Mutter einmal einen Abend für sich haben möchte, um alte Freunde zu treffen, Sport zu betreiben oder einfach vom Familienalltag frei zu nehmen. In einer Zeit, in der es nicht mehr die Norm ist, dass jederzeit eine Oma oder Tante in der Nähe ist, die auf die Kinder schauen kann, ist es umso wichtiger von sich aus Kontakt zu anderen Menschen zu suchen, mit denen sich eine Art unterstützendes Netzwerk ergeben kann. Es kann auch für den Papa ganz hilfreich sein, bei manchen „peinlichen Mädchenthemen“ (Verhütung etc.) Unterstützung von Frauen aus dem Verwandten oder Bekanntenkreis zu bekommen und für die Mama ist es angenehm, wenn der Sohn Gelegenheit bekommt, ein Gespräch von Mann zu Mann zu führen.

Der Job – vielleicht flexibler als gedacht?
Manche Väter oder Mütter denken als Alleinerzieher plötzlich über Veränderungen in der Arbeitswelt nach. Es werden Möglichkeiten gefunden die Arbeitszeiten flexibler zu gestalten oder Teile der Arbeit von zu Hause zu erledigen. Nur weil es in der Firma bisher noch keiner gemacht hat, heißt es nicht automatisch, dass es keine Chancen auf Veränderung geben kann. Scheuen Sie sich nicht davor, Fragen zu stellen und ein Angebot zu unterbreiten, das gut für Sie passt. Je genauer Sie für sich selbst wissen, was Sie gerne möchten, desto eher kann sich Ihr Chef entscheiden und Ihnen die Chance geben, Ihren Vorschlag umzusetzen. Die Arbeitswelt darf den Alltag nicht vollkommen dominieren, damit Eltern den Anforderungen, die Kinder an sie stellen, gerecht werden können.

Das liebe Geld
Die finanzielle Lage vieler AlleinerzieherInnen ist nicht immer rosig. Oft gibt es wenig bis keine Unterhaltszahlungen vom anderen Elternteil und die Aufstiegsmöglichkeiten im Beruf sind durch die Kinderbetreuung manchmal eingeschränkt. Der Wiedereinstieg in den Beruf nach der Karenz gestaltet sich weder für Väter noch für Mütter so einfach. Finanzielle Unterstützung ist daher sehr wichtig. Lassen Sie sich kein schlechtes Gewissen machen, weil Sie arbeiten gehen und Ihre Kinder einen Kindergarten oder Hort besuchen müssen. Neueste Forschungsergebnisse haben die Vorurteile, dass es schlecht für Kinder sei, nicht ständig von den Eltern betreut zu werden, eindeutig widerlegt. Wichtiger als dass Sie rund um die Uhr bei ihren Kindern sind, ist Ihre Zufriedenheit mit Ihrer Rolle als berufstätiger oder nicht berufstätiger Elternteil. Kinder brauchen Eltern, denen es gut geht. Schuldgefühle sind sehr schlechte Erziehungsratgeber und meist auch gar nicht nötig.

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