“ Alle meine Entlein …”

Es ist schon das dritte Mal, dass Merts Kindergartenlehrerin seine Eltern zu einem Gespräch einlädt . Merts Eltern machen sich Gedanken, was der Vierjährige wohl wieder angestellt hat. Schon von Anfang an wollte die Mutter Fatma ihren Sohn nicht in den Kindergarten schicken. „Natürlich“, sagt sie sich, „das passiert, wenn man ein Kleinkind von seiner Mama wegnimmt.“ Merts Kindergartenlehrerin ist jedoch in diesem Punkt ganz anderer Meinung, denn mangelnde Kindergartenreife ist nicht das Problem. Sie erzählt allerdings, dass sich Mert in die Gruppe nicht integrieren kann, nicht auf sie hört, immer besondere Aufmerksamkeit wünscht und grantig wird, wenn er diese nicht bekommt. Mert bemüht sich nicht beim Anziehen und Aufräumen und erwartet immer alles von den Anderen. Fatma versteht schon, was die Kindergärtnerin meint, allerdings möchte sie es nicht wahrhaben und nichts Schlechtes über ihr Kind hören.

Fatma bemüht sich wirklich, eine gute Mutter zu sein. Ihren Sohn möchte sie bestmöglich unterstützen und beschützen. Und doch fehlen ihr einige Informationen über kindliche Entwicklung. Denn sie hat es sich angewöhnt, Mert alle Aufgaben abzunehmen und alle Wünsche zu erfüllen. Sie bindet ihm die Schuhe zu, räumt sein Zimmer auf , ja sie füttert ihn sogar noch manchmal. Diese Gewohnheiten können nicht nur die psychologische und soziale Entwicklung eines Kindes, sondern auch seine körperliche Entwicklung verlangsamen. Ein Selbstständigwerden ist unmöglich. Selbstvertrauen geht verloren.

Lassen Sie Experimente und auch Fehler Ihres Kindes zu. Wenn es sich beispielsweise selbst anziehen möchte und das noch nicht schafft, zeigen Sie ihm geduldig immer wieder, wie es geht, statt gleich zu sagen: „Ich mach das schon!“

Drei- bis Sechsjährige lernen sehr viel durch Beobachten. Sie nehmen deshalb auch wahr, wie Sie als Eltern mit dem Thema Kindergarten umgehen. Gespräche über den Tagesablauf, Aktivitäten und Unternehmungen im Kindergarten vermindern die Ängste des Kindes vor dem Unbekannten. Es ist wichtig, dabei am Boden der Realität zu bleiben. Kinder bekommen auch Ängste der Eltern mit, daher sollen Dinge wie „Wird er sich eingewöhnen können?“ oder „Das Mädchen von nebenan ist unglücklich im Kindergarten“ nicht in Anwesenheit des Kindes besprochen werden.

Bevor es in den Kindergarten kommt, soll Ihr Kind öfter neuen Situationen, neuen Spielen und neuen Spielkameraden gegenüber stehen. Dafür eignen sich Spielgruppen hervorragend. Dort lernen Kinder erstmals neue Freundschaften zu schließen, ihr Spielzeug zu teilen, sich an soziale Regeln zu halten und auch ohne Eltern eine schöne Zeit zu verbringen.

Psychologen und Psychologinnen sagen, dass es kein optimales Kindergartenalter gibt, da sich jedes Kind unterschiedlich entwickelt. In Österreich ist das Mindestalter für den Kindergarten 21/2 bzw. 3 Jahre – je nach Bundesland. (Für jüngere Kinder gibt es Kinderkrippen) Seit 2010 muss jedes Kind ab jenem September, der auf seinen 5. Geburtstag folgt, halbtägig (16 – 20 Wochenstunden) einen Kindergarten besuchen. Die Betreuung ist kostenlos.

Beim Eintritt in den Kindergarten sollte Ihr Kind schon über Fähigkeiten verfügen wie seine Bedürfnisse in Worten auszudrücken, ein paar Stunden getrennt von seiner Familie zu verbringen, Beziehungen mit anderen Kindern einzugehen, trocken zu sein (Ausrutscher sind natürlich erlaubt) und kurz alleine zu spielen.

Für jedes Kind bedeutet der Eintritt in den Kindergarten eine große Veränderung. Auch Erwachsene brauchen eine gewisse Zeit, wenn sie in eine fremde Gruppe kommen. Aus diesem Grund sind Reaktionen des Kindes auf diese Veränderungen gesund und sogar nötig. Seien Sie besonders geduldig und verständnisvoll.

Vergessen Sie nicht, auch sich selbst vorzubereiten: Gewöhnen Sie sich an den Gedanken, dass Ihr Schatz nicht mehr die ganze Zeit bei Ihnen ist. Auch Sie müssen loslassen und sich dabei wohlfühlen.

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