Achten Sie auf Ihr Herz!

Im April machte die Meldung Schlagzeilen, dass die Zahl der mit Herzinfarkt aufgenommenen Patienten im März dieses Jahres um rund 40 Prozent zurückgegangen sei. Wer sich mit dem Lesen der Überschrift zufriedengab, konnte glauben, dass die Coronakrise potenziellen Herzinfarktpatienten gutgetan hat. Allein: Es gibt bis dato keine aussagekräftigen Untersuchungen, warum es zu dieser Reduktion gekommen ist – Theorien freilich schon. Und ein paar davon besagen tatsächlich, dass der Rückgang eventuell auf gesündere Lebensumstände zurückgeführt werden kann: So haben die Menschen möglicherweise weniger geraucht oder weniger berufliche Anstrengung bzw. Stress gehabt. Ein Ansatz aus Madrid weist auf einen direkten Zusammenhang mit einer verringerten Luftverschmutzung hin.

Rasch ins Spital
Sehr wahrscheinlich aber ist, dass Patienten mit Herzbeschwerden nicht oder erst sehr spät ins Krankenhaus gekommen sind – aus Angst, sich mit dem Coronavirus anzustecken, und durch die eindrücklichen Empfehlungen, zu Hause zu bleiben und Kontakte außerhalb der Familie zu vermeiden. Allein: Wird bei Beschwerden, die den Verdacht auf einen Herzinfarkt nahelegen (länger als 20 Minuten anhaltenden Beschwerden, wie Druck auf der Brust, ev. verbunden mit Atemnot, Übelkeit und Angstgefühl), zu lange zugewartet, kann dies fatale Folgen haben, wie Univ.-Prof. Dr. Kurt Huber, Vorstand der kardiologischen Abteilung am Wilhelminenspital und Präsident des Österreichischen Herzfonds, betont: „Ab dem Zeitpunkt, zu dem ein Patient an das EKG angeschlossen wird – das passiert in aller Regel noch vor Ort nach einer durch den Notarzt oder Rettungssanitäter durchgeführten Notfalluntersuchung –, und der Diagnose Herzinfarkt bleiben maximal zwei Stunden, um den Betroffenen im Herzkatheter-Labor zu behandeln.“ Ein rasches Handeln ist entscheidend. Denn je schneller die Therapie eingeleitet wird und in der Folge die Durchblutung der Koronargefäße wiederhergestellt werden kann, umso eher können Schäden am Herzmuskel vermindert oder sogar gänzlich vermieden werden. Anders gesagt: Je rascher auf Beschwerden reagiert wird – und zwar besonders vonseiten des Patienten –, desto höher die Überlebenschance.

Vorbeugen
Was aber gilt es zu tun, damit es erst gar nicht so weit kommt? Sprich: Wie halten wir unser Herz gesund? Laut Huber gehe es in erster Linie darum, die Risikofaktoren, die Herz und Blutgefäße krank machen, zu kennen und zu eliminieren. So schädigt etwa Rauchen nicht nur die Lunge, sondern erhöht auch das Herzinfarktrisiko, das Risiko, einen Schlaganfall zu bekommen, und jenes, an Arteriosklerose zu erkranken. Weiters wirken sich Übergewicht, Bluthochdruck, ein hoher Cholesterinspiegel und Bewegungsmangel negativ auf die Herzgesundheit aus. Experte Huber empfiehlt daher, regelmäßig Sport zu betreiben, wobei es kein Leistungssport sein müsse: „Es reicht, wenn man dreimal die Woche für eine halbe, Dreiviertelstunde auf dem Hometrainer trainiert. Und zwar mit 70 bis 80 Prozent der individuell maximalen Pulsfrequenz. Die optimale Trainingsfrequenz sollte mit dem Arzt ermittelt werden.“ Freilich spricht nichts dagegen, sich länger und öfter zu bewegen oder sich dafür nach draußen zu begeben. Wichtig ist allerdings, dass man nicht zum „Schönwetter-Sportler“ wird und bei Wind, Regen und Kälte nichts macht. Jetzt im Sommer ist das natürlich einfacher als im Winter. Nichtsdestotrotz darf man auch die hohen Temperaturen nicht unterschätzen, weiß Huber: „Es gibt Menschen, die sehr hitzeempfindlich sind. Wenn man beispielsweise bei Temperaturen über 30, 35 Grad und noch dazu in der prallen Sonne Sport betreibt, kann das mehr schaden als nützen – nicht zuletzt auch wegen der hohen Ozonbelastung. Da kann es also durchaus sinnvoller sein, in einem klimatisierten Fitnessstudio oder im kühlen Keller zu trainieren. Wer sich dennoch im Freien bewegen möchte, sollte dies im Sommer morgens oder abends machen.“

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