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GESUNDHEIT & VITALITÄT

Gesunde Beißerchen von Anfang an

So schützen Sie schon den ersten Zahn und halten das Gebiss Ihrer Kinder gesund. Von Dr. Eva Greil-Schähs

Süße Zähnchen gehören schon früh gepflegt! In der spannenden Welt der Elternschaft gibt es zahlreiche Meilensteine zu feiern, darunter auch den ersten Zahn, der bei Babys durchbricht. Doch lange bevor sich dieser zeigt, ist es wichtig, sich um die Mundgesundheit des Säuglings zu kümmern. 

Schon das Zahnfleisch pflegen 
Experten sind sich einig, dass die Pflege des Mundraums schon vor dem Durchbruch der ersten Zähne beginnen sollte. „Ein weiches Tuch eignet sich perfekt, um das Zahnfleisch und die Zahnleisten zu massieren, um das Zahnen zu erleichtern. Sobald die ersten Zähnchen durchbrechen, ist es Zeit für eine sanfte Reinigung mit einer weichen, dem Alter entsprechenden Bürste“, erklärt der Wiener Kinderzahnarzt Dr. Rainer F. Prugmaier von „dentastic“. 

„Dabei sollte besonders darauf geachtet werden, dass die Oberlippe vollständig angehoben wird, um eine gründliche Reinigung zu gewährleisten. Die Zähnchen und den Übergang zum Zahnfleisch gleichmäßig vorsichtig putzen.“ 

Früh Routine schaffen 
Mit der Gewöhnung an die tägliche Putzroutine sollte nach Möglichkeit schon früh begonnen werden. „Der Mundraum ist ein sehr intimer Bereich und selten gestaltet sich das Putzen für die Eltern einfach“, gibt der Zahnarzt zu bedenken. Jammernde Kinder und Babys sind anfangs keine Seltenheit. Laut des Experten wird aber die Routine mit der Zeit zur Gewohnheit und der Umgang mit der Bürste ebenfalls sicherer. 

Jeden Tag aufs Neue versuchen und nicht aufgeben! Die „lästige Putzerei“ kann man auch in Geschichten und Rollenspiele verpacken. Vielleicht kommt dann ja täglich der Putzroboter oder der reinigende Zwerg. 

Stillen ja, Dauernuckeln nein 
Die Förderung gesunder Zähne beginnt eben bereits in den ersten Lebensmonaten – nicht nur im Sinne des Putzens. Dabei spielt das Stillen eine entscheidende Rolle, da es die optimale Entwicklung der Gesichts-, Mund- und Zungenmotorik unterstützt und somit positiv zur Sprachentwicklung beiträgt. Durch das starke Saugen findet zusätzlich eine regelmäßige Belüftung des Mittelohres statt. 

Vor allem in den ersten beiden Lebensjahren wird das Stillen deshalb absolut empfohlen. Langfristiges Nuckeln am Milchfläschchen oder allzu langes „Beruhigungsstillen“ in der Nacht sollte allerdings vermieden werden. „Ein deutliches Risiko für Karies stellt auf jeden Fall das ständige Saugen am Flascherl mit süßen Säften und Fruchtmischungen dar, da sich die Bakterien von Zucker ernähren und Säuren produzieren, welche die Zahnhartsubstanz zerstören“, so der Zahnarzt. 

Säfte und „Quetschies“ eher vermeiden 
Bestenfalls verzichten Sie im Sinne der Gesunderhaltung der Zähne gänzlich auf übertrieben gesüßte Säfte oder auf Fruchtmischungen in Beutelform, die als „Quetschies“ oft großen Anklang finden. Nicht nur raffinierter Zucker in Süßigkeiten, sondern auch natürlicher Zucker in Obst oder Honig belastet nämlich die Zähne. 

Achten Sie ebenfalls auf versteckte Süße in Babynahrung, Fertigprodukten etc. Eine Verringerung der täglichen Aufnahme von Zucker in Lebensmitteln und Getränken sowie Vermeidung von freiem Zucker für Kinder unter zwei Jahren sollte grundsätzlich angestrebt werden. 

Zeit für die erste Zahnbürste 
Schon vor dem Durchbruch der ersten Zähnchen können Eltern speziell entwickelte Gegenstände zum oralen Erkunden anbieten. Achten Sie hierbei auf Qualität und darauf, dass die Gegenstände aus BPA- und BPS-freien Materialien gefertigt sind. Sobald die ersten Zähnchen durchbrechen, sollte neben dem spielerischen Erkunden das Putzen durch die Eltern beginnen. 

„Ab etwa sechs Monaten ist es dann Zeit für die erste Baby-Zahnbürste. Diese ist mit einem runden Bürstenkopf und weichen Borsten ausgestattet, um die empfindlichen Zähne und das Zahnfleisch der Kleinen zu schützen“, so Dr. Prugmaier. Ein „Schutzschild“ sorgt dafür, dass die Zahnbürste nicht zu tief in den Mundraum des Babys vordringen kann. Die Eltern sollten übrigens so lange nachputzen, wie das Kind es zulässt. Bis etwa zum siebten Lebensjahr wird so eine Unterstützung jedenfalls empfohlen. 

Welche Zahnpasta für die Kleinen? 
Die Wahl der richtigen Zahnpasta ist entscheidend für die Mundgesundheit. Ab dem Durchbruch des ersten Milchzahnes wird eine fluoridhaltige Zahnpasta ohne Titandioxid (E171 bzw. CI 77891) empfohlen. Für Kleinkinder unter 24 Monaten sollte eine Kinderzahnpasta mit 1.000 ppm Fluorid in einer reiskorngroßen Menge verwendet werden. 

Im Alter von 2 bis 6 Jahren wird eine erbsengroße Menge Zahnpasta mit ebenfalls 1.000 ppm Fluorid empfohlen. Ab 6 Jahren soll auf eine mit 1450 ppm versehene fluoridhaltige Zahnpaste zurückgegriffen werden. Zweimal täglich die „Beißer“ putzen! 

Keine Angst vor Fluorid! 
Mitunter sind Eltern verunsichert, ob die Zahnpasta Fluorid enthalten sollte. „Fluorid ist nicht zu verwechseln mit Fluor – einem giftigen Gas. Kleine Mengen Fluorid nehmen wir mit unserer Nahrung auf. Durch das Zähneputzen mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta kann die Substanz lokal wirken und bietet einen wirksamen Kariesschutz“, erläutert Dr. Prugmaier. Eine Überdosierung ist unwahrscheinlich, solange die empfohlenen Mengen eingehalten werden. 

Regelmäßig zum Zahnarzt 
Die erste Beratung beim Zahnarzt sollte im Alter von 6 bis 8 Monaten erfolgen, also wenn sich die ersten Milchzähne zeigen. Spätestens jedoch bis zum Ende des ersten Lebensjahres. „Hier werden nicht nur die Eltern über zahngesunde Ernährung und die richtige Dosierung der Zahnpasta beraten, sondern auch die Mund- und Zahnpflege geübt“, erklärt der Kinderzahnarzt. 

Die Putzroutine wird besprochen und beigebracht. Etwaige orale Restriktionen (Lippen- und Zungenbändchen) sowie erste Anzeichen von Karies können im Rahmen dieser Beratungen bereits erkannt und beurteilt werden. 

Dr. Prugmaier: „Regelmäßige Kontrollen zweimal im Jahr, also alle sechs Monate, werden empfohlen, um mögliche Probleme frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Klappt das Zähneputzen nicht so gut oder gibt es andere Schwierigkeiten, dann empfehle ich eine regelmäßige Kontrolle in kürzeren Intervallen, um der Entstehung von Schäden rechtzeitig vorzubeugen.“ 

Milchzähne stärken 
Denn Milchzähne sind weicher als die bleibenden Zähne, was sich aus ihrer Zusammensetzung erklärt. Ihr Mineraliengehalt ist geringer. Das bedingt auch, dass die ersten Zähnchen anfälliger sind. Häufige Plaque-, Säure- und Zuckerangriffe setzen ihnen zu. Karies bildet sich eher. Ist ein Zahn betroffen, schreitet diese bei Milchzähnen im Vergleich zu den bleibenden Beißern auch schneller voran und kann andere nicht betroffene Zähne anstecken. 

„Der Erhalt der Milchzähne bis zum natürlichen Ausfallen ist oberstes Ziel. Diese haben nämlich wichtige Platzhalterfunktion für die nachkommenden bleibenden Zähne. Geht ein Milchbackenzahn frühzeitig verloren, besteht die Gefahr, dass der hintere Nachbarzahn nach vor wandert und somit der bleibende Nachfolger keinen Platz mehr hat“, erklärt Dr. Prugmaier. 

Die übliche Vorgehensweise, kariöse Milchzähne zu versorgen, ist in Form von hellen Füllungen. Bei zu starker Karies stellt die Versorgung mit einer Milchzahnstahlkrone eine gute Möglichkeit dar, um den Zahn erhalten zu können. 

Gebiss ist ein Bestandteil der Gesundheit 
Die Zahnhygiene bei Babys ist ein wichtiger Bestandteil der allgemeinen Gesundheit und sollte daher von Anfang an ernst genommen werden, wie Experten fordern. So ist eine regelmäßige professionelle Mundhygiene auch für Kinder sinnvoll. 

„Derzeit werden die Kosten nur für jene zwischen dem vollendeten 10. und dem vollendeten 18. Lebensjahr einmal innerhalb eines Jahres übernommen. Bei einer kieferorthopädischen Behandlung mit festsitzenden Geräten (Zahnspange) wird diese zweimal innerhalb eines Jahres (wobei mind. sechs Monate Zeitabstand einzuhalten ist) übernommen. Da Kinder bereits sehr viel früher eine Karieserfahrung aufweisen, wäre es sinnvoll, die untere Alterslimitierung aufzuheben“, erläutert der Experte. 

Mit den richtigen Maßnahmen und regelmäßigen Kontrollen können Eltern einen wichtigen Beitrag zur langfristigen Mundgesundheit ihres Kindes leisten. Ihr Sprössling wird es Ihnen später einmal bestimmt danken!

Putzen mit Kai
Damit beim Putzen keine Zahnflächen vergessen werden, bedeutet KAI, die Zähne immer in der gleichen Reihenfolge zu putzen. Das können auch schon kleine Kinder erlernen. Ab drei bis vier Jahren können die Kleinen auch schon allein loslegen (natürlich putzen Eltern dann nach). 

K = Kauflächen. Als Erstes werden mit kurzen Hin- und Her-Bewegungen alle Kauflächen geputzt. 

A = Außenflächen. Dann werden die Außenflächen mit kreisenden Bewegungen geputzt. Die Zähne liegen dabei aufeinander und es wird jeweils von der Mitte aus nach rechts und nach links geputzt. 

I = Innenflächen. Als Letztes werden die Innenflächen mit kleinen Kreisen oder Drehbewegungen „von Rot nach Weiß“, das heißt vom Zahnfleisch zum Zahn gereinigt.

So zahnt ihr Baby leichter
Ihr Baby schläft schlecht, ist unruhig und steckt sich dauernd die kleinen Fäustchen in den Mund? Das können Anzeichen dafür sein, dass die ersten Zähne durchbrechen. Zahnen ist ein natürlicher Prozess, der in der Regel ab dem sechsten Lebensmonat einsetzt. Hier ein paar Tipps, wie Sie Ihr Baby dabei gut begleiten können. 

Dr. Prugmaier gibt Tipps: 
1: Wenn ein Schnuller oder Beißring verwendet wird, können Sie diesen feucht machen und in den Kühlschrank legen. Durch die kühlende Wirkung lindert es den Schmerz bzw. die Beschwerden und erleichtert das Zahnen. 
2: Bei der täglichen Mundhygiene und gerne auch zwischendurch die Zahnleisten mit dafür entwickelten extra-weichen Mikrofaserfingerlingen oder einer speziellen Babybürste massieren. 
3: In Absprache mit dem Kinderarzt können Sie mit der Gabe von homöopathischen und zuckerfreien Zahnungskügelchen die Zahnungsbeschwerden lindern. 
4: Alternativ kann auch ein Zahnungsgel auf Hyaluronsäurebasis durch seine kühlende und entzündungshemmende Wirkung das Durchbrechen der Zähne erleichtern.

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